Die Tote im Wasser

Georg Heym

1912

Die Masten ragen an dem grauen Wall Wie ein verbrannter Wald ins frühe Rot, So schwarz wie Schlacke. Wo das Wasser tot Zu Speichern stiert, die morsch und im Verfall.

Dumpf tönt der Schall, da wiederkehrt die Flut, Den Kai entlang. Der Stadtnacht Spülicht treibt Wie eine weiße Haut im Strom und reibt Sich an dem Dampfer, der im Docke ruht.

Staub, Obst, Papier, in einer dicken Schicht, So treibt der Kot aus seinen Röhren ganz. Ein weißes Tanzkleid kommt, in fettem Glanz Ein nackter Hals und bleiweiß ein Gesicht.

Die Leiche wälzt sich ganz heraus. Es bläht Das Kleid sich wie ein weißes Schiff im Wind. Die toten Augen starren groß und blind Zum Himmel, der voll rosa Wolken steht.

Das lila Wasser bebt von kleiner Welle. - Der Wasserratten Fährte, die bemannen Das weiße Schiff. Nun treibt es stolz von dannen, Voll grauer Köpfe und voll schwarzer Felle.

Die Tote segelt froh hinaus, gerissen Von Wind und Flut. Ihr dicker Bauch entragt Dem Wasser groß, zerhöhlt und fast zernagt. Wie eine Grotte dröhnt er von den Bissen.

Sie treibt ins Meer. Ihr salutiert Neptun Von einem Wrack, da sie das Meer verschlingt, Darinnen sie zur grünen Tiefe sinkt, Im Arm der feisten Kraken auszuruhn.

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Illustration zu Die Tote im Wasser

Interpretation

Das Gedicht "Die Tote im Wasser" von Georg Heym beschreibt eine makabre Szene, in der eine Leiche im Wasser treibt. Die Masten ragen wie ein verbrannter Wald auf, und das Wasser starrt wie morsche Speicher. Die Stadt-Nacht-Spülicht treibt wie eine weiße Haut im Strom und reibt sich am Dampfer. Der Kot aus den Röhren treibt in einer dicken Schicht, begleitet von einem weißen Tanzkleid, einem nackten Hals und einem bleiweißen Gesicht. Die Leiche wälzt sich heraus, ihr Kleid bläht sich wie ein weißes Schiff im Wind, und ihre toten Augen starren blind zum Himmel voller rosa Wolken. Das lila Wasser bebt von kleinen Wellen, und die Wasserratten bemannen das weiße Schiff, das nun stolz davontreibt, voller grauer Köpfe und schwarzer Felle. Die Tote segelt froh hinaus, gerissen von Wind und Flut, ihr dicker Bauch entragt dem Wasser groß und fast zernagt. Sie treibt ins Meer, wo Neptun ihr vom Wrack aus salutiert, bevor sie zur grünen Tiefe sinkt, im Arm der feisten Kraken zur Ruhe kommt.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Der Stadtnacht Spülicht treibt
Bildsprache
Das lila Wasser bebt von kleiner Welle
Hyperbel
Die toten Augen starren groß und blind Zum Himmel
Metapher
Der Wasserratten Fährte, die bemannen Das weiße Schiff
Personifikation
Neptun salutiert von einem Wrack
Symbolik
Sie treibt ins Meer. Ihr salutiert Neptun
Vergleich
So schwarz wie Schlacke