Die teuflische Stanze
1884Noch jeder Gott war menschliches geschöpfe Die immer seligen sind allein die tröpfe Nur was die narren sprechen ist orakel Nur was nie war ist frei von jedem makel Die tugend dank am meisten dem vergehen Die liebe kommt vom mangelhaften sehen Kein heiliger der′s nicht aus dem sünder wurde Und ewige wahrheit bleibt nur das absurde.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die teuflische Stanze" von Stefan George ist eine tiefgründige Reflexion über die Natur der Menschheit und ihrer Schöpfungen. Es beginnt mit der Feststellung, dass selbst die Götter menschliche Schöpfungen sind, was auf die menschliche Neigung zur Göttlichkeit und zur Erschaffung von Idealen hinweist. Die Zeile "Die immer seligen sind allein die Tröpfe" könnte als Kritik an der menschlichen Unvollkommenheit und der Suche nach Perfektion interpretiert werden, wobei die "Tröpfe" als Symbole für das Unvollkommene und Unvollendete stehen. In der zweiten Hälfte des Gedichts geht George auf die Themen Weisheit, Tugend und Liebe ein. Er deutet an, dass wahre Weisheit oft in den Worten der Narren zu finden ist und dass das, was nie existiert hat, frei von Fehlern ist. Dies könnte als eine Kritik an der menschlichen Tendenz zur Idealisierung und zur Verklärung der Vergangenheit oder der Zukunft interpretiert werden. Die Zeilen über Tugend und Liebe deuten darauf hin, dass diese Eigenschaften aus Fehlern und unvollkommenem Sehen entstehen, was eine realistische und vielleicht sogar zynische Sicht auf die menschliche Natur widerspiegelt. Das Gedicht schließt mit einer paradoxen Aussage über Heilige und Wahrheit. Es wird behauptet, dass kein Heiliger ohne Sünder zu sein, und dass die einzige ewige Wahrheit das Absurde ist. Dies könnte als eine Kritik an der menschlichen Neigung zur Heiligsprechung und zur Suche nach absoluter Wahrheit interpretiert werden. Die Idee, dass das Absurde die einzige ewige Wahrheit ist, könnte als eine Anerkennung der Komplexität und des Widerspruchs der menschlichen Existenz verstanden werden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Noch jeder Gott war menschliches geschöpfe / Die immer seligen sind allein die tröpfe
- Antithese
- Die tugend dank am meisten dem vergehen / Die liebe kommt vom mangelhaften sehen
- Chiasmus
- Kein heiliger der's nicht aus dem sünder wurde
- Paradoxon
- Und ewige wahrheit bleibt nur das absurde
- Parallelismus
- Nur was die narren sprechen ist orakel / Nur was nie war ist frei von jedem makel