Die Tempel von Agrigent
1817Glanzreichste Tochter, dor′sche, des Ruhmes voll Und Goldes, stolz am Ufer des Akragas, Am Heerd, dem nährenden, der Waffen Blut′gen Triumph mit der Lust vertauschend,
Die aus olymp′schem Göttergelage nur Dem Sterblichen hellen′scher Geburt des Zeus Huldgöttinnen ins schöne Leben Hauchten, Persephones heil′ger Wohnsitz,
Noch sinn′ ich, ob Ortygias Fall, ob nicht Dein Sturz ein schicksalschwereres Loos dem Gott In zweifelhafter Hand geschwanket, Königin, holde, der blum′gen Hügel.
Folg′ ich dem Strom festfeiernden, bunten Volks Zur heil′gen Anhöh′? Ueber die Felsmau′r ragt Der Säulen dor′sche Majestät, von Kränzen geschmückt der gewalt′ge Tempel.
Und silberweißen, langen Gewandes naht Der Priester Festzug, heil′ger Gesang erschallt, Die Opfernden sie nahn, der Stiere Trotzige Kraft von der Blumen Anmuth
Und priesterlicher Teppiche Pracht bedeckt Und hold verschleiert wandelt in Schüchternheit Der Jungfraun aufgeblühte Jugend Rosen ums Antlitz und Rosen ähnlich.
Nicht fehlet auch der Rosse gerühmter Stolz, Denn gute Art zeugt Cocalos Burg, sei′s nun Im Kampfgewühle sie zu tummeln Oder zu siegen im Spiel Olympias.
Der Wägen auch, der glänzenden, folgen viel, Denn weichlich lebt der Bürger am Akragas, Reich ist er fast wie seine Götter, Denen er Tempel gebaut und Altar.
Schon dampft das Opfer, aber vom Säulenhaus, Dem priestervollen, blickt auf die Glücklichen, Die Schönen Aug′ und Herz der Starken, Die sich zur Feier des Gotts versammelt.
Und Volk beschau′ ich, unübersehbares, Und Meer und Hafen, auch die geschmückte Stadt, Und Athenaeas Fels und oben Zeus Atabirios goldne Wohnung.
Nicht wein′ ich mehr dem Menschengeschick; denn schnell Und leer, bestandlos wandelt′s, den Wolken gleich, Die um die Sonne wehn, die ew′ge, Ueber die Erde dem Nichts entgegen;
Nicht mehr den Männertugenden, Wolken auch Sind sie, durchglüht nur stark von des Himmels Gold, Nicht mehr der Tapferkeit, den Wettern Gleicht sie, die segnen im Sturm und Donner;
Nicht mehr dem Glück, das Perlen wie Morgenthau Ausgießt im Frühschein, Perlen, die Stunden kaum Der Ros′ entglänzen und vergehen, Während die Blume verwelkt am Mittag.
Wenn auch dein Bild, freigebigster Gellias, Der jeden Wandrer lud, und der Sieger mich Olymp′schen Kampfes - dreimalhundert Folgten ihm prangender Ross′gespanne -
Wenn auch die Braut mich mahnet, der Hymens Brand Von allen Tempeln leuchtete; dennoch nicht Verwundr′ ich des mich, dennoch frag′ ich Nicht, wie es kommen und wie′s geschwunden.
Das aber dünkt mir schwer und mit Angst erfüllt′s, Mit staunender, das zweifelnde Herz, gestürzt Und fürchterlich zur Erde nieder Sah ich geschmettert der Götter Tempel.
Giganten trugen, mächtigen Arms, die Last Des Riesenhauses, daß es der Ewigkeit Den Dienst des Donnerers bewahre; Selbst die Giganten zertrümmert sind sie.
Seitdem mich solche Trümmer umstarrt, seitdem Zernichtet mich ein ganzer Olymp umgraust, Der Vater und die Kinder alle; Glaub′ ich, daß bald von gedrückter Schulter
Die Welt dem großen Träger entsinkt, und bald All unsres Lebens Mutter Natur der Macht, Der dunkeln, unterliegt, die endlich Selbst sich zerstört im zerstörten Weltall.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Tempel von Agrigent" von Wilhelm Friedrich Waiblinger ist eine eindrucksvolle Betrachtung der Vergänglichkeit und der Vergänglichkeit menschlicher Größe und Leistungen. Der Sprecher reflektiert über die einst prächtigen Tempel von Agrigent, die nun in Trümmern liegen und symbolisiert damit den Untergang von Zivilisationen und den Lauf der Zeit. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung der einstigen Pracht von Agrigent, einer Stadt, die für ihre Tempel und ihren Reichtum bekannt war. Der Sprecher erinnert sich an die Feste und Opferungen, die dort stattfanden, und an die Schönheit und den Stolz der Menschen, die dort lebten. Doch trotz dieser Pracht und des Glanzes ist der Sprecher sich bewusst, dass alles vergänglich ist. Der Sprecher beschreibt, wie er die Trümmer der Tempel betrachtet und von einem Gefühl der Angst und des Staunens ergriffen wird. Er erkennt, dass selbst die mächtigsten und prächtigsten Bauwerke der Menschheit letztendlich dem Verfall preisgegeben sind. Dies führt ihn zu der Erkenntnis, dass auch die Götter selbst nicht ewig sind und dass die Welt und die Natur letztendlich zerstört werden. Insgesamt ist das Gedicht eine tiefgründige Meditation über die Vergänglichkeit des menschlichen Lebens und der menschlichen Leistungen. Es erinnert uns daran, dass wir uns nicht zu sehr an materiellen Dingen oder an unseren eigenen Errungenschaften festhalten sollten, da alles vergänglich ist und letztendlich dem Verfall preisgegeben wird.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Alliteration
- Blut'gen Triumph mit der Lust vertauschend
- Hyperbel
- Am Heerd, dem nährenden, der Waffen
- Metapher
- die endlich Selbst sich zerstört im zerstörten Weltall
- Personifikation
- Und Goldes, stolz am Ufer des Akragas