Die Teilung

Wilhelm Busch

1865

Es hat einmal, so wird gesagt, Der Löwe mit dem Wolf gejagt. Da haben sie vereint erlegt Ein Wildschwein, stark und gut gepflegt. Doch als es ans Verteilen ging, Dünkt das dem Wolf ein mißlich Ding. Der Löwe sprach, “Was grübelst Du? Glaubst Du, es geht nicht redlich zu? Dort kommt der Fuchs, er mag entscheiden, Was jedem zukommt von uns beiden.” “Gut′, sagt der Wolf, dem solch ein Freund Als Richter gar nicht übel scheint. Der Löwe winkt dem Fuchs sogleich: “Herr Doktor, da ist was für Euch. Hier dieses jüngst erlegte Schwein, Bedenkt es wohl, ist mein und sein. Ich faßt es vorn, er griff es hinten; jetzt teilt es uns, doch ohne Finten.” Der Fuchs war ein Jurist von Fach. “Sehr einfach”, sprach er, “liegt die Sach. Das Vorderteil, ob viel ob wenig, Erhält mit Fug und Recht der König. Dir aber, Vetter Isegrimm, Gebührt das Hinterteil. Da nimm!” Bei diesem Wort trennt er genau Das Schwänzlein hinten von der Sau. Indes: der Wolf verschmäht die Beute, Verneigt sich kurz und geht beiseite. “Fuchs”, sprach der Löwe, “bleibt bei mir. Von heute ab seid Ihr Großvezier.”

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Illustration zu Die Teilung

Interpretation

Das Gedicht "Die Teilung" von Wilhelm Busch erzählt eine Fabel über die Verteilung einer erlegten Beute zwischen einem Löwen und einem Wolf. Die beiden Tiere haben gemeinsam ein Wildschwein gejagt und stehen nun vor der Aufgabe, es gerecht aufzuteilen. Der Wolf zeigt sich unsicher über die Fairness der Aufteilung, woraufhin der Löwe den Fuchs als neutralen Richter vorschlägt. Der Wolf stimmt dieser Idee zu, da er den Fuchs als einen vertrauenswürdigen Schiedsrichter ansieht. Der Fuchs, der als Jurist beschrieben wird, schlägt eine Lösung vor, die auf den Rollen der Tiere während der Jagd basiert. Er argumentiert, dass dem Löwen als König das Vorderteil des Schweins zusteht, während dem Wolf das Hinterteil zukommt. Der Fuchs teilt das Schwein entsprechend auf, wobei er dem Wolf lediglich das Schwänzchen überlässt. Der Wolf, enttäuscht von dieser "gerechten" Aufteilung, lehnt die Beute ab und entfernt sich. Am Ende des Gedichts erkennt der Löwe die Cleverness des Fuchses an und ernennt ihn zum Großvezier, was darauf hindeutet, dass List und Schlauheit in der Tierwelt belohnt werden. Die Fabel illustriert die Themen Gerechtigkeit, Macht und die Klugheit, sich in komplizierten Situationen durchzusetzen.

Schlüsselwörter

löwe wolf fuchs sprach gut geht hinten einmal

Wortwolke

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Stilmittel

Allegorie
Die Geschichte als Parabel auf Gerechtigkeit und Macht
Anspielung
Der Fuchs als 'Jurist von Fach' und seine Rolle als Richter
Dramatische Ironie
Der Leser weiß um die Ungerechtigkeit, die Figuren jedoch nicht
Ironie
Der Fuchs als 'Herr Doktor' und 'Großvezier' bezeichnet
Kontrast
Die Erwartung einer fairen Teilung vs. die tatsächliche Verteilung
Metapher
Der Löwe und der Wolf als Symbole für Macht und List
Moralische Lektion
Die Geschichte als Lehre über die Natur der Gerechtigkeit und Macht
Personifikation
Der Löwe und der Wolf als handelnde Personen
Sprachliche Bilder
Die Beschreibung des Wildschweins als 'stark und gut gepflegt'
Symbolik
Das Wildschwein als Beute und die Teilung als Machtdemonstration