Die Teilung der Erde
1795Nehmt hin die Welt! Rief Zeus von seinen Höhen Den Menschen zu, nehmt, sie soll euer sein, Euch schenk′ ich sie zum Erb′ und ew′gen Lehen; Doch teilt euch brüderlich darein.
Da eilt, was Hände hat, sich einzurichten, Es regte sich geschäftig Jung und Alt. Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten, Der Junker pirschte durch den Wald.
Der Kaufmann nimmt, was seine Speicher fassen, Der Abt wählt sich den edeln Firnewein, Der König sperrt die Brücken und die Straßen Und sprach: Der Zehente ist mein.
Ganz spät, nachdem die Teilung längst geschehen, Naht der Poet, er kam aus weiter Fern′, Ach, da war überall nichts mehr zu sehen, Und alles hatte seinen Herrn.
Weh mir! So soll ich denn allein von allen Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn? So ließ er laut der Klage Ruf erschallen, Und warf sich hin vor Jovis Thron.
Wenn du im Land der Träume dich verweilet, Versetzt der Gott, so hadre nicht mit mir. Wo warst du denn, als man die Welt geteilet? Ich war, sprach der Poet, bei dir.
Mein Auge hing an deinem Angesichte, An deines Himmels Harmonie mein Ohr; Verzeih dem Geiste, der, von deinem Lichte, Berauscht, das Irdische verlor!
Was tun? Spricht Zeus - die Welt ist weggegeben, Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein. Willst du in meinem Himmel mit mir leben, So oft du kommst, er soll dir offen sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Teilung der Erde" von Friedrich von Schiller handelt von der Verteilung der Welt durch Zeus an die Menschen. Zeus fordert die Menschen auf, die Welt zu teilen, und jeder nimmt sich seinen Anteil. Der Ackermann beansprucht das Feld, der Junker den Wald, der Kaufmann die Speicher und der Abt den edlen Wein. Der König sperrt die Brücken und Straßen und beansprucht den Zehnten für sich. Als der Poet zu spät kommt, findet er nichts mehr vor und beklagt sich bei Zeus. Zeus erklärt ihm, dass er in seiner Abwesenheit in der Welt der Träume war und ihm den Himmel als seinen Anteil anbietet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der Ackermann griff nach des Feldes Früchten
- Anapher
- So ließ er laut der Klage Ruf erschallen, / Und warf sich hin vor Jovis Thron
- Hyperbel
- Ach, da war überall nichts mehr zu sehen
- Ironie
- Der König sperrt die Brücken und die Straßen / Und sprach: Der Zehente ist mein
- Kontrast
- Was tun? Spricht Zeus - die Welt ist weggegeben, / Der Herbst, die Jagd, der Markt ist nicht mehr mein
- Metapher
- Nehmt hin die Welt! Rief Zeus von seinen Höhen
- Metonymie
- die Welt ist weggegeben
- Parallelismus
- Mein Auge hing an deinem Angesichte, / An deines Himmels Harmonie mein Ohr
- Personifikation
- Es regte sich geschäftig Jung und Alt
- Rhetorische Frage
- Weh mir! So soll ich denn allein von allen / Vergessen sein, ich, dein getreuster Sohn?