Die Stunde schlug

Theodor Storm

1852

Die Stunde schlug, und deine Hand Liegt zitternd in der meinen, An meine Lippen streiften schon Mit scheuem Druck die deinen.

Es zuckten aus dem vollen Kelch Elektrisch schon die Funken; O fasse Mut, und fliehe nicht, Bevor wir ganz getrunken!

Die Lippen, die mich so berührt, Sind nicht mehr deine eignen; Sie können doch, solang du lebst, Die meinen nicht verleugnen.

Die Lippen, die sich so berührt, Sind rettungslos gefangen; Spät oder früh, sie müssen doch Sich tödlich heimverlangen.

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Illustration zu Die Stunde schlug

Interpretation

Das Gedicht "Die Stunde schlug" von Theodor Storm handelt von einem leidenschaftlichen Kuss zwischen zwei Menschen. Die Stunde schlägt, was den richtigen Zeitpunkt für die Annäherung symbolisiert. Die Hand der Geliebten liegt zitternd in der Hand des Sprechers, die Lippen berühren sich scheu. Aus dem vollen Kelch der Liebe sprühen schon elektrische Funken. Der Sprecher ermutigt die Geliebte, nicht zu fliehen, sondern den Kuss zu vollenden. Die geküssten Lippen sind nicht mehr die eigenen der Geliebten, sondern gehören dem Sprecher. Sie werden auch in Zukunft die seinen nicht verleugnen können. Die Lippen sind rettungslos gefangen und müssen sich früher oder später nach Hause sehnen, also den Sprecher wiedersehen wollen. Das Gedicht beschreibt die überwältigende Kraft der Leidenschaft, die die Beteiligten in ihren Bann zieht und nicht mehr loslässt.

Schlüsselwörter

lippen berührt stunde schlug hand liegt zitternd streiften

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Stilmittel

Bildsprache
Elektrisch schon die Funken
Metapher
Sie müssen doch sich tödlich heimverlangen
Personifikation
Die Stunde schlug