Die Straße
1914Auf violetten Dünsten schwimmen Lichter Von brennend hohem Gelb. Du tauchst hinein, Gewirbelt blindlings in ein Meer Gesichter, Blass, atmend nah. Versinkst. Und bist allein.
Nur du. Zum Prüfen fühlst du deine Hände Und weißt, du träumst. Der Traum steigt weiß empor. Vor dir erkennst du steile Straßenwände, Behängt mit seltsam hellem Lichterflor.
Dein Ohr ist zu. Nur deine Augen fühlen. Quer zeigt die Straße durch den Sternenwald. Die Sternenzweige, die vorüberspülen, Bildtäuschen Göttergesten und manche Tiergestalt.
Du selbst ein Stern. Du tönst. Dich kannst du hören Hinklingen durch das All. Du träumst und schwimmst In Töne-Träumen, die dich leuchtend schön betören, Dass du sie für den andern Wohllaut nimmst.
Wo ist die Sonne, die dich zirkelnd bindet? Versäumt. Du steuerst fort. Es ist zu spät. Um deine Feuerbahn nachschleifend windet Sich hell ein Schweif. - Stürm glühend fort, Komet!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Straße" von Ernst Wilhelm Lotz beschreibt eine surreale, traumhafte Reise durch eine geheimnisvolle, nächtliche Straße. Die Szenerie wird als eine Art Traumwelt dargestellt, in der der Protagonist sich verloren und allein fühlt, umgeben von Gesichtern und Lichtern. Die Farben und Lichter werden als violett und brennend gelb beschrieben, was eine unheimliche und faszinierende Atmosphäre schafft. Der Protagonist versucht, sich seiner Umgebung bewusst zu werden, indem er seine Hände fühlt und erkennt, dass er träumt. Die Straße wird als steil und mit einem seltsamen Lichterflor behängt beschrieben, was die surreale und traumhafte Qualität der Szenerie verstärkt. Der Protagonist ist taub, kann aber durch seine Augen sehen, wie die Straße durch einen Sternenwald führt. Die Sterne und Zweige bilden Gestalten, die wie Götter oder Tiere aussehen, was die mystische und traumhafte Atmosphäre weiter verstärkt. Der Protagonist selbst wird als ein Stern beschrieben, der durch den Raum tönend und leuchtend klingt. Er träumt und schwimmt in einem Meer von Tönen, die ihn verführen und schön erscheinen lassen. Er verwechselt diese Töne mit angenehmem Klang. Der Protagonist verliert die Orientierung und steuert ziellos weiter, ohne die Sonne zu sehen, die ihn umkreist. Er wird zu einem Kometen, der mit einem leuchtenden Schweif durch den Raum stürmt, was seine unkontrollierte und ungebundene Reise symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Komet
- Personifikation
- Der Traum steigt weiß empor
- Vergleich
- Du selbst ein Stern