Die stille Stadt
1896Liegt eine Stadt im Tale, ein blasser Tag vergeht; es wird nicht lange dauern mehr, bis weder Mond noch Sterne, nur Nacht am Himmel steht.
Von allen Bergen drücken Nebel auf die Stadt; es dringt kein Dach, nicht Hof noch Haus, kein Laut aus ihrem Rauch heraus, kaum Türme noch und Brücken.
Doch als den Wandrer graute, da ging ein Lichtlein auf im Grund; und durch den Rauch und Nebel begann ein leiser Lobgesang, aus Kindermund.
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Interpretation
Das Gedicht "Die stille Stadt" von Richard Dehmel beschreibt eine düstere und bedrückende Atmosphäre in einer Stadt, die von Nebel und Rauch umgeben ist. Die Stadt liegt im Tal, und ein blasser Tag neigt sich dem Ende zu. Es wird erwartet, dass bald weder Mond noch Sterne am Himmel zu sehen sein werden, sondern nur noch die Nacht. Die Stadt wird von allen Seiten von Bergen eingeschlossen, und der Nebel drückt auf sie herab. Es ist kaum möglich, Dächer, Höfe oder Häuser zu erkennen, und kaum ein Laut dringt aus dem Rauch heraus. Die Türme und Brücken sind kaum noch sichtbar. Die Stadt wirkt wie ein Ort der Stille und Isolation. Doch als der Wanderer Angst bekommt, geht plötzlich ein Lichtlein im Grund auf. Durch den Rauch und Nebel beginnt ein leiser Lobgesang, der aus Kindermund erklingt. Dieses Licht und der Gesang der Kinder bringen einen Hauch von Hoffnung und Trost in die bedrückende Atmosphäre der stillen Stadt. Sie symbolisieren die Möglichkeit von Schönheit und Freude selbst in den dunkelsten Zeiten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- es wird nicht lange dauern mehr, bis weder Mond noch Sterne, nur Nacht am Himmel steht
- Klangfiguren
- ein leiser Lobgesang, aus Kindermund
- Kontrast
- kaum Türme noch und Brücken
- Metapher
- Liegt eine Stadt im Tale
- Personifikation
- Nebel drücken auf die Stadt
- Symbolik
- ein Lichtlein auf im Grund