Die Spielleute

Joseph von Eichendorff

1788

Frühmorgens durch die Klüfte Wir blasen Viktoria! Eine Lerche fährt durch die Lüfte: »Die Spielleut sind schon da!« Da dehnt ein Turm und reckt sich Verschlafen im Morgengrau, Wie aus dem Traume streckt sich Der Strom durch die stille Au, Und ihre Äuglein balde Tun auf die Bächlein all Im Wald, im grünen Walde, Das ist ein lustger Schall!

Das ist ein lustges Reisen, Der Eichbaum kühl und frisch Mit Schatten, wo wir speisen, Deckt uns den grünen Tisch. Zum Frühstück musizieren Die muntern Vögelein, Der Wald, wenn sie pausieren, Stimmt wunderbar mit ein, Die Wipfel tut er neigen, Als gesegnet′ er uns das Mahl, Und zeigt uns zwischen den Zweigen Tief unten das weite Tal.

Tief unten da ist ein Garten, Da wohnt eine schöne Frau, Wir können nicht lange warten, Durchs Gittertor wir schaun, Wo die weißen Statuen stehen, Da ists so still und kühl, Die Wasserkünste gehen, Der Flieder duftet schwül. Wir ziehn vorbei und singen In der stillen Morgenzeit, Sie hörts im Traume klingen, Wir aber sind schon weit.

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Illustration zu Die Spielleute

Interpretation

Das Gedicht "Die Spielleute" von Joseph von Eichendorff schildert die Reise einer Gruppe von Spielleuten durch eine idyllische Landschaft. Die Spielleute ziehen früh am Morgen durch die Täler und verkünden mit ihrem Spiel ihre Ankunft. Die Natur erwacht langsam, Vögel singen und ein Turm reckt sich verschlafen im Morgengrauen. Die Spielleute genießen die kühle Schatten spendende Eiche, an der sie ihr Frühstück einnehmen, während die Vögel musizieren und der Wald mit einstimmt. Die Reise der Spielleute führt sie zu einem verborgenen Garten, in dem eine schöne Frau wohnt. Die Spielleute werfen einen neugierigen Blick durch das Gittertor und erblicken die weißen Statuen und den duftenden Flieder. Die Wasserkünste im Garten verleihen der Szenerie eine märchenhafte Atmosphäre. Die Spielleute singen vorbei und ihre Melodien dringen bis zur schlafenden Frau, die sie im Traum hört, während die Spielleute bereits weitergezogen sind. Das Gedicht vermittelt eine romantische Stimmung und verherrlicht die Schönheit der Natur sowie die Freiheit der Spielleute. Es thematisiert die Vergänglichkeit des Augenblicks und die Flüchtigkeit des Lebens. Die Spielleute ziehen weiter, hinterlassen aber einen Hauch von Magie und Melancholie. Eichendorff schafft es, den Leser in eine traumhafte Welt zu entführen, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen.

Schlüsselwörter

traume wald grünen kühl tief unten frühmorgens klüfte

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Frühmorgens durch die Klüfte, Eine Lerche fährt durch die Lüfte
Bildsprache
Tief unten da ist ein Garten, Da wohnt eine schöne Frau
Hyperbel
Das ist ein lustges Reisen
Kontrast
Wo die weißen Statuen stehen, Da ists so still und kühl
Metapher
Der Strom durch die stille Au
Onomatopoesie
Das ist ein lustger Schall
Personifikation
Da dehnt ein Turm und reckt sich, Verschlafen im Morgengrau
Symbolik
Der Eichbaum kühl und frisch, Deckt uns den grünen Tisch
Synästhesie
Der Wald, wenn sie pausieren, Stimmt wunderbar mit ein
Vorausdeutung
Wir ziehn vorbei und singen, In der stillen Morgenzeit, Sie hörts im Traume klingen, Wir aber sind schon weit