Die späte Hochzeit
1837Der Mond ging unter - jetzt ist′s Zeit. - Der Bräutgam steigt vom Roß, Er hat so lange schon gefreit - Da tut sich auf das Schloß, Und in der Halle sitzt die Braut Auf diamantnem Sitz, Von ihrem Schmuck tut′s durch den Bau Ein′n langen roten Blitz. -
Blass′ Knaben warten schweigend auf, Still′ Gäste stehn herum, Da richt′t die Braut sich langsam auf, So hoch und bleich und stumm. Sie schlägt zurück ihr Goldgewand, Da schauert ihn vor Lust, Sie langt mit kalter, weißer Hand Das Herz ihm aus der Brust.
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Interpretation
Das Gedicht "Die späte Hochzeit" von Joseph von Eichendorff erzählt eine unheimliche und tragische Geschichte. Es beginnt mit dem Eintreffen des Bräutigams bei Mondschein, was eine geheimnisvolle und düstere Atmosphäre schafft. Die Braut sitzt in der Halle auf einem diamantenen Thron, umgeben von stummen und blassen Knaben sowie stillen Gästen. Ihre Schönheit wird durch einen langen roten Blitz hervorgehoben, der durch den Raum schimmert. Die Szene ist von einer tiefen Stille und Spannung erfüllt. Die Braut erhebt sich langsam, hoch und bleich, und ihre Bewegung wird von den Anwesenden mit Ehrfurcht beobachtet. Sie schlägt ihr Goldgewand zurück, was eine Geste der Offenbarung oder des Entblößens sein könnte. Der Bräutigam zittert vor Lust, was auf eine starke emotionale Reaktion hindeutet. Die Handlung kulminiert in einem schockierenden Moment, als die Braut mit ihrer kalten, weißen Hand das Herz des Bräutigams aus seiner Brust nimmt. Dieses Bild ist sowohl gewaltsam als auch symbolisch und könnte als eine Art Opfer oder als ein Akt der Hingabe interpretiert werden. Die späte Hochzeit wird somit zu einer Metapher für eine Liebe, die über das Leben hinausgeht, oder für eine Verbindung, die mit einem hohen Preis verbunden ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Blass′ Knaben warten schweigend auf
- Bildlichkeit
- Von ihrem Schmuck tut′s durch den Bau Ein′n langen roten Blitz
- Hyperbel
- Das Herz ihm aus der Brust
- Metapher
- So hoch und bleich und stumm
- Personifikation
- Der Mond ging unter