Die Sommernacht
1751Nein! Nichts übertrifft doch die kühlenden Nächte, Die Nächte nach hitzigen Tages des Sommers! Erquickende Wollust durchdringet die Glieder, Und stärkt und belebt!
Verführerisch tönen der Nachtigall Lieder; Aus jedem Gebüsche schallt Wollust und Liebe; Es rauschen die schwankenden Äste gelinder, Und hören ihr zu.
Unzählige Blumen verhauchen hier Düfte! Der wachen Viole, der taumelnden Rose Balsamische, reine, gesunde Gerüche Erfüllen die Luft.
Am blauen Gewölbe der oberen Lüfte Erscheinet Diane, im blassen Gewande, Mit Sternen umgeben, durchjagt sie den Himmel Zwar schnell, aber still
Vom Schlafe verscheuchete Sorgen fliehn, schwindlicht, Und kommen am Fenster des Nachbars zusammen, Um gleich mit dem frühesten Strale der Sonne Im Zimmer zu seyn.
Der Geizhals mag immer mit Sorgen sich schlagen! Mir folgen nur wenig und kleinere Sorgen, Noch sattsam bescheiden in ihrer Verfolgung. Die Schultern umhüllt.
Ein durchsichtger Flor. Doch die streitbaren Scherze, Anakreons, Gleimens und Hagedorns Scherze, Bekämpfen, besiegen, verjagen die Sorgen, Und klatschen sie aus.
Was hör ich? Dort rasselt der Wagen der Sonne! Wo bist du Diane? In welcher Entfernung Entfliehst du dem Lärme des kommenden Tages! O schmerzliche Flucht!
Nein! Nichts übertrifft doch die kühlenden Nächte! Und hätt ich des Nachts die Gesellschaft der Freunde, Die itzt denen Tagen den Vorzug noch geben; So lebt ich nur Nachts.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Sommernacht" von Johanna Charlotte Unzer beschreibt die Schönheit und Erholung der Sommernächte im Kontrast zum heißen Tag. Die kühlen Nächte werden als belebend und erquickend empfunden, die Sinne werden durch die Lieder der Nachtigall, den Duft der Blumen und den Anblick des Mondes Diana angesprochen. Die Nacht steht für eine Zeit der Ruhe und Entspannung, in der Sorgen und Probleme des Alltags verschwinden. Die Sprecherin des Gedichts zieht die Sommernacht dem Tag vor und wünscht sich die Gesellschaft von Freunden, die ebenfalls die Nacht genießen würden. Die Nacht wird als eine Zeit der Geselligkeit und des Genusses dargestellt, im Gegensatz zum Tag, der mit Arbeit und Sorgen verbunden ist. Die Sprecherin scheint eine Vorliebe für die Nacht und ihre damit verbundenen positiven Aspekte zu haben. Das Gedicht endet mit der Ankunft der Morgendämmerung und dem Verschwinden der Nacht. Die Sprecherin bedauert das Ende der Nacht und den Beginn des Tages, da die Nacht als etwas Schönes und Erholsames dargestellt wird. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine positive und bejahende Haltung gegenüber der Sommernacht und ihrer Schönheit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Bekämpfen, besiegen, verjagen die Sorgen
- Anapher
- Nein! Nichts übertrifft doch die kühlenden Nächte
- Metapher
- Der Geizhals mag immer mit Sorgen sich schlagen
- Personifikation
- Was hör ich? Dort rasselt der Wagen der Sonne