Die Seufzer des Abendwinds wehen...

Clemens Brentano

1799

Die Seufzer des Abendwinds wehen So jammernd und bittend im Turm; Wohl hör ich um Rettung dich flehen, Du ringst mit den Wogen, versinkest im Sturm.

Ich seh dich am Ufer; es wallet Ein traurendes Irrlicht einher. Mein liebendes Rufen erschallet, Du hörest, du liebest, du stürzest ins Meer.

Ich lieb und ich stürze verwegen Dir nach in die Wogen hinab, Ich komme dir sterbend entgegen, Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab.

Doch stürzt man den Stürmen des Lebens Von neuem mich Armen nun zu. Ich sinke; ich ringe vergebens, Ach nur in dem Abgrund des Todes ist Ruh.

Da schwinden die ewigen Fernen, Da endet kein Leben mit dir. Ich kenn deinen Blick in den Sternen, Ach sieh nicht so traurig, hab Mitleid mit mir!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Die Seufzer des Abendwinds wehen...

Interpretation

Das Gedicht "Die Seufzer des Abendwinds wehen" von Clemens Brentano erzählt von einer tiefen, tragischen Liebe, die von Sehnsucht, Verzweiflung und schließlich der Erkenntnis der Unmöglichkeit geprägt ist. Der Sprecher, möglicherweise eine männliche Figur, schildert eine unerfüllte Liebe zu einer Frau, die in den Tod gestürzt ist. Die Natur wird als Spiegel der inneren Gefühle verwendet, wobei der Abendwind, das Irrlicht und die Wogen die traurige Stimmung unterstreichen. In den ersten beiden Strophen wird die verzweifelte Situation der Geliebten beschrieben, die am Ufer steht und ins Meer stürzt. Der Sprecher versucht, sie zu retten, doch seine Rufe verhallen ungehört. Die dritte Strophe zeigt die selbstlose Liebe des Sprechers, der der Geliebten in den Tod folgt und mit ihr im Grab vereint sein möchte. Doch selbst im Tod findet er keine Ruhe, da er von neuem in die Stürme des Lebens geworfen wird. Die letzte Strophe offenbart die Erkenntnis des Sprechers, dass die Liebe zur Geliebten ewig währt, auch über den Tod hinaus. Er sieht ihren Blick in den Sternen, was auf eine spirituelle Verbindung hindeutet. Doch die Traurigkeit der Geliebten im Jenseits schmerzt ihn, und er fleht sie an, Mitleid mit ihm zu haben. Das Gedicht endet mit einer tiefen Melancholie und der Erkenntnis, dass die Liebe, obwohl unerfüllt und tragisch, ewig besteht.

Schlüsselwörter

wogen ringe seufzer abendwinds wehen jammernd bittend turm

Wortwolke

Wortwolke zu Die Seufzer des Abendwinds wehen...

Stilmittel

Alliteration
Ich lieb und ich stürze verwegen
Bildlichkeit
Ich kenn deinen Blick in den Sternen
Hyperbel
Ich komme dir sterbend entgegen
Kontrast
Doch stürzt man den Stürmen des Lebens von neuem mich Armen nun zu
Metapher
Abgrund des Todes
Parallelismus
Ich ringe, du sinkest, ich teile dein Grab
Personifikation
Die ewigen Fernen schwinden