Die Seestädte
1905Vor allen Städten seid ihr Meeresbräute Die herrlichsten; der Tiefe Schätze quellen Zu euch empor, des Glückes Segel schwellen An euren Strand der fernsten Länder Beute.
Da, Tyrus, Indien dir Weihrauch streute, Und da, Korinth, zu deinen Marmorschwellen Der Römer kam, da auf den hohen Wellen Dein Leu, Venedig, allen Flaggen dräute;
Da war′s, da zog der Ruhm durch Siegestore, Da schien die Mittagsglut von goldnen Dächern Auf Heldenbilder längs der Korridore.
Müd lächelnd sahn die Herren der besiegten Meerwelle zu, indes in Prunkgemächern Den Perlenfächer ihre Töchter wiegten.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Seestädte" von Hermann Lingg beschreibt die Pracht und den Glanz der antiken Seestädte Tyrus, Korinth und Venedig. Diese Städte werden als "Meeresbräute" bezeichnet, die die Schätze der Tiefe an sich reißen und vom Glück der fernen Länder profitieren. Der Dichter beschwört die Zeiten, als diese Städte in voller Blüte standen und ihre Macht und ihren Reichtum zur Schau stellten. In der zweiten Strophe wird die historische Bedeutung der Städte hervorgehoben. Tyrus erhielt Weihrauch aus Indien, Korinth begrüßte die Römer an seinen Marmorschwellen, und Venedig drohte mit seinem Löwen allen Flaggen auf den hohen Wellen. Diese Zeilen verdeutlichen den Reichtum und die Macht, die diese Städte einst besaßen und die sie durch ihren Handel und ihre Flotten erlangten. Die letzte Strophe beschreibt den Ruhm und die Pracht, die durch die Siegespforten zogen, als die Städte ihre Macht zur Schau stellten. Die Mittagssonne schien auf goldene Dächer und Heldenbilder entlang der Korridore. Die Herren der besiegten Meerwelle lächelten müde, während ihre Töchter in prunkvollen Gemächern Perlenfächer wiegten. Diese Zeilen vermitteln den Eindruck von Luxus, Überfluss und der Überlegenheit, die diese Städte einst ausstrahlten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schätze quellen
- Bildsprache
- in Prunkgemächern den Perlenfächer ihre Töchter wiegten
- Hyperbel
- der fernsten Länder Beute
- Metapher
- Heldenbilder längs der Korridore
- Personifikation
- müd lächelnd sahn die Herren der besiegten Meerwelle zu