Die schwarze Schar
1815Mit dunklen Tschakos alle und Totenköpfen drauf Eilten bei Hörnerschalle sie nach dem Zelte zuhauf. Und ehe sie drinnen waren, rief freudlich der Herzog schon: »Gegrüßt, ihr schwarzen Husaren! Gegrüßt, meine Rachelegion!«
Die Braven hieß er sich setzen: »Achtsam eu′r Ohr mir geliehn! Mir sendete diesen Fetzen der Kaiser eben aus Wien; Mehr liebt er auf Bällen das Tanzen als Waffentanz in der Schlacht; Drum hat er bei Znaym mit den Franzen jetzt seinen Frieden gemacht.
»Damit ich ihn unterschreibe, schickt er den Wisch mir nun; Er denkt wohl, mit einem Weibe, wie er eins, hab′ er zu thun; Doch, daß man Schurke mich heiße, daß Schande mich treffen mag, Wenn ich das Blatt nicht zerreiße! Da liege, verfluchter Vertrag!«
Er rief′s, und zerrissen stoben umher die Stücke Papier; Jubelnden Ruf erhoben Gemeiner und Offizier; Er aber: »Mein Blut fühl′ ich sieden und Glut auf den Wangen mir lohn, Sobald ich höre von Frieden mit dem Unhold Napoleon.
Den Vater mir hat er erschlagen, mein Braunschweig mir geraubt; Nicht mochte mein Weib das tragen, früh sank ihr blühendes Haupt; Dann über dem Grab meiner Lieben sah ich von den Alpen zum Meer, Von Höllengeistern getrieben, hinjagen sein wütendes Heer.
Wie schreit noch aus Dörfern und Städten zum Himmel um Rache der Brand! Wie hat dich der Wütrich zertreten, mein deutsches Vaterland! Wie deine Söhne geschändet, betrogen, verführt, entzweit, Bis sie einander verblendet würgten im mördrischen Streit!
Deine Fürsten, die stolzen Schildhalter von Kaiser und Reich, Wie ist ihre Größe geschmolzen, wie ward ihre Ehre so bleich! Vom fremden Unterdrücker nahmen zu Lehn sie den Thron Und preisen ihn Weltbeglücker, indes sie zermalmt sein Hohn.
Doch ich will das Haupt nicht bücken, bevor ich es leg′ in die Gruft; Fort! fort! Sonst wird mich ersticken die deutsche Kerkerluft; Hindurch uns zu schlagen zum Meere, ihr Freunde, führ′ ich euch an, Und fall′ ich, so fall′ ich mit Ehre als deutscher Fürst und Mann!«
Also der kühne Welfe; und rings auf sein Aufgebot Erscholl es: »Daß Gott uns helfe, wir folgen dir bis zum Tod!« Die Hand ihm zu küssen drängte sich Jäger heran und Husar, Und hurtig von dannen sprengte der Herzog mit seiner Schar.
Im Sturme vorwärts brausend auf schäumenden Rossen ging′s; Kaum waren sie ihrer tausend und der Feind unzählbar rings; Doch ob stärker ums Hundertfache, scheu ließ er sie ziehn fürbaß: »Weh, weh, das Corps der Rache, die schwarze Legion ist das!«
Stach aber einen der Kitzel, sie zu hemmen auf ihrer Fahrt, Bald hat er in dem Scharmützel die welfische Kraft gewahrt! Denen, die heim geblieben, wenn er im Kampf nicht fiel, Wußt′ er von deutschen Hieben hinfort zu erzählen viel.
»Auf, Halberstadt zu erstürmen!« erschallt′s aus des Herzogs Mund. Erzspeiend von Mauern und Türmen kracht der Kanonen Schlund; Aber den Flammen entgegen, die den Tod auf sie sprühn, Dem zischenden Kugelregen werfen die Schwarzen sich kühn.
Der Führer stürmt, der kecke, den andern voran zum Thor, Unter ihm sinkt sein Schecke, zu Fuß dann dringt er vor; Schon ist eine Bresche geschossen, er wirft sich, der erste, hinein: »Sieg oder Tod, ihr Genossen!« tönt′s durch der Seinen Reihn.
Genommen Wälle und Schanzen, erobert Halberstadt! Die westfälischen Schranzen senken die Arme matt; Aus Fenstern wehen Schleier, und jubelnde Bürger streun Blumen auf den Befreier: »Heil, Enkel Heinrichs des Leun!«
Zum Meer auf offenen Wegen zieht weiter das kleine Heer; Die Straßen ihm zu verlegen wagen die Welschen nicht mehr; Nur scheu, wie den Löwen die Füchse, umschleichen sie′s noch fortan; Als ob jeder zum Riesen wüchse, geht Furcht den Schwarzen voran.
Von Felsen zu ihren Füßen bald sahn sie der Flut Geroll, Aus dem es wie Freundesgrüßen den Freien entgegen scholl. »Nun, meine Kampfgesellen, hinweg vom geknechteten Strand Ueber die freien Wellen ins freie Engelland!
Einst an die Küsten der Väter heimträgt uns der hurtige Kiel; Ihr Feiglinge und Verräter, verloren dann euer Spiel! Der Feinde giftiger Heerrauch wird, wo wir nahen, vergehn, Und Freiheit, ein frischer Meerhauch, hin über Deutschland wehn!«
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Interpretation
Das Gedicht "Die schwarze Schar" von Adolf Friedrich Graf von Schack handelt von einem Herzog, der seine schwarzen Husaren anführt, um gegen den Frieden mit Napoleon zu kämpfen. Der Herzog ist entschlossen, den Friedensvertrag zu zerreißen und Rache für die Verbrechen Napoleons zu nehmen. Er erinnert an den Tod seines Vaters und seiner Frau, die Zerstörung Deutschlands und die Schmach der Fürsten. Er ruft seine Soldaten auf, ihm zu folgen, bis zum Tod, und verspricht ihnen Ehre und Freiheit. Das Gedicht schildert die heroische Schlacht der schwarzen Legion gegen die überlegene feindliche Armee, die sich vor ihnen fürchtet. Sie erobern die Stadt Halberstadt und ziehen zum Meer, um nach England zu fliehen. Der Herzog prophezeit, dass sie eines Tages in ihre Heimat zurückkehren und die Freiheit über Deutschland bringen werden. Das Gedicht ist ein patriotisches und romantisches Werk, das die Ideale des Widerstands, der Tapferkeit und der Treue verherrlicht. Es zeigt die Leidenschaft und den Mut des Herzogs und seiner Soldaten, die bereit sind, für ihre Überzeugungen zu sterben. Es kritisiert auch die Schwäche und den Verrat der deutschen Fürsten, die sich Napoleon unterworfen haben. Das Gedicht verwendet viele rhetorische Mittel, wie Anaphern, Metaphern, Personifikationen und Alliterationen, um die Stimmung und die Emotionen zu verstärken. Es hat einen starken Rhythmus und einen regelmäßigen Reim, der den Schwung und die Dynamik der Handlung unterstützt. Das Gedicht ist ein Beispiel für die literarische Bewegung des Vormärz, die sich gegen die Restauration und für die nationale Einheit und Freiheit einsetzte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die schwarze Schar
- Anapher
- Wie schreit noch aus Dörfern und Städten zum Himmel um Rache der Brand! Wie hat dich der Wütrich zertreten, mein deutsches Vaterland!
- Anspielung
- Heil, Enkel Heinrichs des Leun!
- Bildsprache
- Wie schreit noch aus Dörfern und Städten zum Himmel um Rache der Brand!
- Hyperbel
- Kaum waren sie ihrer tausend und der Feind unzählbar rings
- Kontrast
- Der Kaiser liebt auf Bällen das Tanzen, während der Herzog den Waffentanz in der Schlacht bevorzugt
- Metapher
- Mit dunklen Tschakos alle und Totenköpfen drauf
- Metonymie
- Der Feinde giftiger Heerrauch
- Personifikation
- Deine Fürsten, die stolzen Schildhalter von Kaiser und Reich
- Symbolik
- Die Totenköpfe auf den Tschakos symbolisieren den Tod und die Rache