Die Schönheit
1813Das Loos der Götter ist auch dir gefallen; Denn du bist schön, du brauchst dich nur zu zeigen, So wird sogar von Lippen, welche schweigen, Wenn Jeder jauchzt, dir Lob und Preis erschallen.
Denn, die als unerreichbar vorschwebt Allen, Die Harmonie, ist deinem Wesen eigen, Wie sollte dich, wo du erscheinst, ein Reigen Von trunkenen Verehrern nicht umwallen!
Zwar werden wir′s nur schmerzlicher empfinden, Wie viel uns mangelt, wenn wir auf dich schauen, Allein du bist uns doch verwandt geblieben;
Drum dienst du, uns dem Höchsten zu verbinden, Wir stehen ihm nicht länger fern mit Grauen, Es tritt uns nah′ in dir, wir können′s lieben!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Schönheit" von Friedrich Hebbel beschäftigt sich mit der faszinierenden und gleichzeitig herausfordernden Natur der Schönheit. Hebbel beginnt damit, die Schönheit als eine Art göttliches Los zu beschreiben, das ihr zugefallen ist. Er betont, dass die bloße Anwesenheit einer schönen Person ausreicht, um Bewunderung und Lob von allen Seiten zu ernten, selbst von denen, die sonst schweigen. In der zweiten Strophe hebt Hebbel die Harmonie hervor, die der Schönheit innewohnt. Diese Harmonie macht die schöne Person für viele unerreichbar, aber auch unwiderstehlich. Die Anziehungskraft der Schönheit zieht eine Schar von begeisterten Verehrern an, die von ihrer Anwesenheit betört sind. Doch diese Bewunderung hat auch eine Schattenseite. Im letzten Teil des Gedichts reflektiert Hebbel über die Auswirkungen der Schönheit auf die Betrachter. Während die Schönheit die eigenen Unzulänglichkeiten schmerzlich bewusst macht, bleibt sie dennoch vertraut und menschlich. Die Schönheit dient als Brücke, die die Menschen mit dem Göttlichen verbindet, und ermöglicht es ihnen, sich dem Höchsten auf eine weniger furchterregende Weise zu nähern. Somit wird die Schönheit zu einem Medium, durch das das Göttliche erlebt und geliebt werden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wie sollte dich, wo du erscheinst, ein Reigen Von trunkenen Verehrern nicht umwallen
- Metapher
- Es tritt uns nah′ in dir, wir können′s lieben
- Personifikation
- Das Loos der Götter ist auch dir gefallen