Die schöne Stadt

Georg Trakl

1913

Alte Plätze sonnig schweigen. Tief in Blau und Gold versponnen Traumhaft hasten ernste Nonnen Unter schwüler Buchen Schweigen.

Aus den braun erhellten Kirchen Schaun des Todes reine Bilder, Großer Fürsten schöne Schilder. Kronen schimmern in den Kirchen.

Rösser tauchen aus dem Brunnen. Blütenkrallen drohn in Bäumen. Knaben spielen wirr von Träumen Abends leise dort am Brunnen.

Mädchen stehen an den Toren, Schauen scheu ins farbige Leben. Ihre feuchten Lippen beben Und sie warten an den Toren.

Zitternd flattern Glockenklänge, Marschtakt hallt und Wacherufen. Fremde lauschen auf den Stufen. Hoch im Blau sind Orgelklänge.

Helle Instrumente singen. Durch der Gärten Blätterrahmen Schwirrt das Lachen schöner Damen. Leise junge Mütter singen.

Heimlich haucht an blumigen Fenstern Duft von Weihrauch, Teer und Flieder. Silbern flimmern müde Lider Durch die Blumen an den Fenstern.

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Illustration zu Die schöne Stadt

Interpretation

Das Gedicht "Die schöne Stadt" von Georg Trakl ist eine lyrische Beschreibung einer idyllischen, fast märchenhaften Stadt. Die Stimmung ist geprägt von Ruhe, Schönheit und einem Hauch von Melancholie. Die Stadt wird als ein Ort der Kontemplation und des Rückzugs dargestellt, wo die Zeit stillzustehen scheint und die Menschen in harmonischer Einigkeit mit ihrer Umgebung leben. Die Stadt wird durch eine Reihe von Bildern und Symbolen charakterisiert, die alle eine gewisse Stille und Abgeschiedenheit ausstrahlen. Die "alten Plätze" sonnen sich in der Stille, die Nonnen hasten traumhaft unter den Buchen, und die Bilder des Todes in den Kirchen verleihen der Szenerie eine düstere Note. Die Farben Blau und Gold, die im Gedicht wiederholt auftauchen, symbolisieren die Schönheit und den Reichtum der Stadt, aber auch ihre Kälte und Distanz. Trotz der idyllischen Oberfläche gibt es Anzeichen für eine tiefere Unruhe oder Traurigkeit. Die "reinen Bilder des Todes", die "wirren Träume" der Knaben und das Beben der Lippen der Mädchen deuten auf eine latente Unzufriedenheit oder Sehnsucht hin. Die Glockenklänge, die wie Zittern klingen, und der Marschtakt, der durch die Stadt hallt, könnten als Zeichen für eine bevorstehende Veränderung oder Bedrohung interpretiert werden. Die schönen Damen und jungen Mütter, die lachen und singen, scheinen in ihrer eigenen Welt gefangen zu sein, abgeschirmt von der Realität.

Schlüsselwörter

schweigen blau kirchen brunnen leise toren singen fenstern

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Alte Plätze sonnig schweigen
Assonanz
Tief in Blau und Gold versponnen
Bildsprache
Durch die Blumen an den Fenstern
Hyperbel
Großer Fürsten schöne Schilder
Metapher
Durch der Gärten Blätterrahmen
Onomatopoesie
Marschtakt hallt und Wacherufen
Personifikation
Silbern flimmern müde Lider
Symbolik
Duft von Weihrauch, Teer und Flieder