Die schöne Nacht
1749Nun verlaß′ ich diese Hütte, Meiner Liebsten Aufenthalt, Wandle mit verhülltem Schritte Durch den öden, finstern Wald: Luna bricht durch Busch und Eichen, Zephyr meldet ihren Lauf, Und die Birken streun′ mit Neigen Ihr den süßten Weihrauch auf.
Wie ergötz′ ich mich im Kühlen Dieser schönen Sommernacht! O wie still ist hier zu fühlen, Was die Seele glücklich macht! Läßt sich kaum die Wonne fassen, Und doch wollt ich, Himmel, dir Tausend solcher Nächte lassen, Gäb mein Mädchen eine mir.
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Interpretation
Das Gedicht "Die schöne Nacht" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von der tiefen emotionalen Erfahrung einer Sommernacht, die der Sprecher allein im Wald verbringt. Die Nacht wird als ein Moment der inneren Ruhe und des Glücks beschrieben, der im Kontrast zur Sehnsucht nach der Geliebten steht. In den ersten beiden Strophen verlässt der Sprecher die Hütte seiner Liebsten und wandert durch den dunklen Wald. Die Natur wird dabei als lebendig und fast wie ein Begleiter beschrieben. Der Mond (Luna) bricht durch das Gestrüpp, der Wind (Zephyr) meldet seinen Lauf, und die Birken streuen Weihrauch, was eine fast sakrale Atmosphäre schafft. Diese Bilder vermitteln eine tiefe Verbundenheit mit der Natur und eine Art von geistiger Reinigung oder Erneuerung. Die dritte Strophe beschreibt die Freude und das Glück, das der Sprecher in der Stille der Nacht empfindet. Die Seele findet hier Ruhe und Erfüllung, was als eine Art spirituelle Erfahrung interpretiert werden kann. Die Wonne ist so intensiv, dass sie kaum zu fassen ist, was die Tiefe der emotionalen Erfahrung unterstreicht. In der letzten Strophe wird die Intensität dieser Nacht deutlich, da der Sprecher bereit wäre, tausend solcher Nächte dem Himmel zu opfern, wenn er nur eine Nacht mit seiner Geliebten verbringen könnte. Dies zeigt die tiefe Sehnsucht und die Priorität, die die Liebe für den Sprecher hat. Die Nacht im Wald ist schön und erfüllend, aber die Gegenwart der Geliebten wäre noch viel wertvoller.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schönen Sommernacht
- Apostroph
- Und doch wollt ich, Himmel, dir
- Bildlichkeit
- Durch den öden, finstern Wald
- Hyperbel
- Tausend solcher Nächte lassen
- Metapher
- Läßt sich kaum die Wonne fassen
- Personifikation
- Luna bricht durch Busch und Eichen, Zephyr meldet ihren Lauf
- Vergleich
- Und die Birken streun′ mit Neigen