Die Schnupftabaksdose
1912Es war eine Schnupftabaksdose Die hatte Friedrich der Große Sich selbst geschnitzt aus Nussbaumholz Und darauf war sie natürlich stolz.
Da kam ein Holzwurm gekrochen Der hatte Nussbaum gerochen Die Dose erzählte ihm lang und breit Vom Friedrich dem Großen und seiner Zeit
Sie nannte den alten Fritz generös Da aber wurde der Holzwurm nervös Und sagte, indem er zu bohren begann: “Was geht mich Friedrich der Große an!”
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Interpretation
Das Gedicht "Die Schnupftabaksdose" von Joachim Ringelnatz handelt von einer selbstgeschnitzten Schnupftabaksdose von Friedrich dem Großen, die stolz auf ihre Herkunft ist. Die Dose erzählt einem Holzwurm von ihrer Verbindung zum preußischen König und ihrer historischen Bedeutung. Dabei betont sie die Großzügigkeit Friedrichs, was den Holzwurm jedoch nicht beeindruckt. Der Holzwurm, der nur am Holz interessiert ist, ignoriert die stolze Geschichte der Dose und beginnt, in sie hineinzubohren. Dies symbolisiert die Gleichgültigkeit gegenüber historischen und kulturellen Werten. Die Reaktion des Holzwurms, "Was geht mich Friedrich der Große an!", verdeutlicht die Ablehnung von überhöhten Ansprüchen und die Konzentration auf das eigene, unmittelbare Interesse. Das Gedicht nutzt die Allegorie der Schnupftabaksdose und des Holzwurms, um die Kluft zwischen historischem Stolz und gegenwärtiger Gleichgültigkeit zu illustrieren. Es kritisiert die übermäßige Selbstwichtigkeit und den Mangel an Relevanz historischer Errungenschaften im Angesicht des alltäglichen Lebens. Die humorvolle Darstellung des Holzwurms unterstreicht die Nutzlosigkeit von Stolz, der nicht auf praktischen Nutzen abzielt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Direkte Rede
- "Was geht mich Friedrich der Große an!"
- Ironie
- Da aber wurde der Holzwurm nervös
- Metapher
- Der Holzwurm roch den Nussbaum
- Personifikation
- Die Dose erzählte ihm lang und breit