Die schlesischen Weber
1844Im düstern Auge keine Träne Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne: Deutschland, wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch - Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten In Winterskälte und Hungersnöten; Wir haben vergebens gehofft und geharrt, Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt - Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, Den unser Elend nicht konnte erweichen Der den letzten Groschen von uns erpreßt Und uns wie Hunde erschiessen läßt - Wir weben, wir weben!
Ein Fluch dem falschen Vaterlande, Wir nur gedeihen Schmach und Schande, Wo jede Blume früh geknickt, Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt - Wir weben, wir weben!
Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht, Wir weben emsig Tag und Nacht - Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch, Wir weben hinein den dreifachen Fluch, Wir weben, wir weben!
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Interpretation
Das Gedicht "Die schlesischen Weber" von Heinrich Heine beschreibt die hoffnungslose Lage der Weber im 19. Jahrhundert, die unter Ausbeutung und Armut leiden. Die Weber werden als düstere, zornige Figuren dargestellt, die ohne Tränen an ihren Webstühlen sitzen und einen dreifachen Fluch in ihr Leichentuch für Deutschland weben. Dieser Fluch richtet sich gegen Gott, den König und das Vaterland, die alle als Mitschuldige an ihrem Elend angesehen werden. Der erste Fluch gilt Gott, dem die Weber vergeblich in Zeiten von Kälte und Hunger um Hilfe gebeten haben. Sie fühlen sich von Gott getäuscht und verspottet, was ihre Verzweiflung und ihren Zorn noch verstärkt. Der zweite Fluch richtet sich gegen den König, der trotz des Elends der Weber nicht nachgiebig ist und sie sogar wie Hunde erschießen lässt. Der letzte Fluch gilt dem falschen Vaterland, in dem Schmach und Schande herrschen und das Leben der Menschen so wertlos ist wie eine früh geknickte Blume. Die Wiederholung des Satzes "Wir weben, wir weben!" am Ende jeder Strophe unterstreicht die unermüdliche Arbeit der Weber und die Beständigkeit ihres Fluchs. Das Gedicht endet mit dem Bild des Schiffchens, das über den Webstuhl fliegt, und dem Geräusch des Webstuhls, das Tag und Nacht zu hören ist. Dies symbolisiert die ununterbrochene Arbeit und den unaufhörlichen Fluch, den die Weber in ihr Leichentuch für Deutschland weben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Hungersnöten; Wir haben vergebens gehofft und geharrt
- Anapher
- Wir weben, wir weben!
- Hyperbel
- Wo jede Blume früh geknickt
- Kontrast
- In Winterskälte und Hungersnöten
- Metapher
- Deutschland, wir weben dein Leichentuch
- Personifikation
- Im düstern Auge keine Träne
- Symbolik
- Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht