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Die Schiffahrt

Von

Es flieht, das Schiff, das Daphnen weg
Zu fernem Ufer führt!
Zwar dich umflattre Zephir nur,
Nur Liebesgötter dich!

Ihr Wellen, hüpfet sanft ums Schiff!
Wenn nun ihr süsser Blick
Auf euern sanften Spielen ruht,
Ach, dann denkt sie an mich.

Ins Ufers Schatten singe dir
Jetzt jeder Vogel zu;
Und Schilf und Sträuche winket ihr
Von sanftem Wind bewegt.

Du glatte See bleib immer sanft!
Du trägst das schönste Kind
Das je den Fluten sich vertraut;
Rein, wie der Sonne Bild

Das dort auf deinem Spiegel stralt,
Schön wie die Venus einst
Als sie, aus weissem Schaum hervor,
Auf ihre Muschel stieg.

Die Wassergötter, die sie sahn,
Vergassen da entzückt
Ihr plätschernd Spiel, vergassen da
Die schilfbekränzte Nymph.

Sie sahn der Eifersüchtgen Blick
Und lächelnd Winken nicht;
Die süsse Göttin sahn sie nur,
Bis sie ans Ufer stieg.

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Gedicht: Die Schiffahrt von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Schiffahrt“ von Salomon Gessner entführt den Leser in eine idyllische Szenerie, in der ein Schiff, das die Geliebte des Sprechers zu einem fernen Ufer transportiert, im Mittelpunkt steht. Der Text atmet eine Atmosphäre der Sehnsucht und der zarten Verehrung, die sich in den liebevollen Beschwörungen an die Natur und die Beschreibungen der Schönheit der Geliebten äußert. Der Sprecher bittet den Wind, die Wellen, die Vögel und die gesamte Umgebung, die Fahrt der Geliebten so angenehm wie möglich zu gestalten. Dabei wird die Geliebte selbst als ein Wesen von außergewöhnlicher Schönheit dargestellt, dessen Anblick sogar die Wassergötter in ihren Bann zieht.

Die sprachliche Gestaltung des Gedichts unterstreicht diesen sanften, romantischen Charakter. Die Verwendung von Adjektiven wie „sanft“, „süß“ und „rein“ erzeugt ein Gefühl der Zärtlichkeit und der Verehrung. Die direkten Anreden an die Elemente der Natur – „Ihr Wellen“, „Du glatte See“ – verleihen dem Gedicht eine intime Note und zeigen die tiefe Verbundenheit des Sprechers mit seiner Umgebung. Die Beschreibungen der Natur, wie die „Schilf und Sträuche“, die „von sanftem Wind bewegt“ werden, und der Vergleich der Geliebten mit der Venus, die aus dem Meer aufsteigt, verstärken die ästhetische Schönheit und die harmonische Atmosphäre.

Das Gedicht bedient sich klassischer Motive der antiken Mythologie, insbesondere der Venus-Gestalt, um die außergewöhnliche Schönheit der Geliebten zu betonen. Der Vergleich mit der Göttin der Liebe verleiht der Geliebten eine göttliche Aura und unterstreicht ihre überirdische Schönheit. Die Reaktion der Wassergötter, die angesichts ihrer Schönheit alles andere vergessen, verdeutlicht die überwältigende Wirkung, die von ihr ausgeht. Dies hebt nicht nur ihre physische Erscheinung hervor, sondern auch ihre Fähigkeit, die Herzen zu erobern und eine tiefe emotionale Resonanz hervorzurufen.

Der zentrale Konflikt des Gedichts ist die Trennung, die durch die Schiffsreise verursacht wird, und die Sehnsucht, die daraus resultiert. Der Sprecher ist nicht physisch anwesend, aber seine Gedanken und Gefühle sind durch seine Worte präsent. Er hofft, dass die geliebte Person sicher ans Ziel gelangt und dass die Erinnerung an ihn durch die Schönheit der Natur und die Anmut ihrer eigenen Erscheinung lebendig gehalten wird. Die Beschwörungen und Wünsche an die Natur sind Ausdruck seiner tiefen Zuneigung und seiner Sehnsucht nach Wiedervereinigung.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Gessners „Die Schiffahrt“ ein elegisches Gedicht ist, das die Themen Liebe, Schönheit, Trennung und Sehnsucht auf eine poetisch ansprechende Weise verbindet. Durch seine zarten Bilder, seine sprachliche Eleganz und seine Anspielungen auf die antike Mythologie erzeugt es eine Atmosphäre der Romantik und des tiefen Gefühls. Das Gedicht zeugt von der Kraft der Liebe und der Sehnsucht, die auch über die Distanz hinweg das Herz des Sprechers erfüllen.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.