Die Schatzgräber
1747Ein Winzer,der am Tode lag, rief seine Kinder an und sprach: “In unserm Weinberg liegt ein Schatz, grabt nur danach!”-“An welchem Platz?” schrie alles laut den Vater an. “Grabt nur!” O weh! da starb der Mann. Kaum war der Alte beigeschafft, so grub man nach aus Leibeskraft. Mit Hacke, Karst und Sparten ward der Weinberg um und um geschart. Da war kein Kloß,der ruhig blieb; man warf die Erde gar durchs Sieb und zog die Harken kreuz und quer nach jedem Steinchen hin und her Allein, da ward kein Schatz verspürt, und jeder hielt sich angeführt. Doch kaum erschien das nächste Jahr, so nahm man mit Erstaunen war, daß jede Rebe dreifach trug. Da wurden erst die Söhne klug und gruben nun jahrein, jahraus des Schatzes immer mehr heraus.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Schatzgräber" von Gottfried August Bürger erzählt die Geschichte eines Winzers, der seinen Kindern vor seinem Tod verrät, dass ein Schatz im Weinberg versteckt ist. Die Kinder graben daraufhin eifrig den gesamten Weinberg um, um den Schatz zu finden, finden ihn aber nicht. Erst im nächsten Jahr erkennen sie, dass der Weinberg durch das Umgraben besonders fruchtbar geworden ist und eine reiche Ernte bringt. Der wahre Schatz war also die Arbeit und die dadurch gesteigerte Fruchtbarkeit des Bodens. Die Moral der Geschichte ist, dass harter Arbeit und Fleiß oft mehr einbringen als die Suche nach schnellem Reichtum. Der Vater hat seine Kinder auf geschickte Weise dazu gebracht, den Weinberg gründlich zu bearbeiten, was letztendlich zu einem größeren Gewinn führte als jeder materielle Schatz. Das Gedicht vermittelt die Botschaft, dass wahrer Reichtum durch Mühe und Hingabe erlangt wird. Bürger nutzt die Erzählung, um eine zeitlose Lektion über den Wert von Arbeit und Ausdauer zu vermitteln. Die Ironie, dass die Kinder den Schatz nicht finden, sondern stattdessen durch ihre eigene Anstrengung einen größeren Gewinn erzielen, unterstreicht die Weisheit des Vaters und die Belohnung für fleißige Arbeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Die Beschreibung des Grabens und der Arbeit im Weinberg schafft ein lebendiges Bild der Anstrengungen der Söhne.
- Ironie
- Der Schatz, den der Vater erwähnt, ist kein materieller Schatz, sondern der Ertrag des Weinbergs, der durch harte Arbeit entsteht.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen der anfänglichen Enttäuschung der Söhne und ihrer späteren Erkenntnis unterstreicht die Moral der Geschichte.
- Metapher
- Der 'Schatz' im Weinberg ist eine Metapher für den Wert harter Arbeit und die Belohnung, die sie bringt.
- Personifikation
- Der Weinberg 'trägt' dreifach, als ob er ein lebendiges Wesen wäre, das auf die Bemühungen der Söhne reagiert.
- Vorahnung
- Die Anweisung des Vaters, 'grabt nur danach', deutet auf eine zukünftige Entdeckung hin, die erst am Ende des Gedichts klar wird.
- Wiederholung
- Die Wiederholung von 'graben' und 'Schatz' betont die zentrale Handlung und das Thema des Gedichts.