Die schamhafte Zeit
1605Sie sei sonst, wie sie will, die Zeit, So liebt sie doch Verschämlichkeit: Sie kann die Wahrheit nackt nicht leiden, Drum ist sie emsig, sie zu kleiden.
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Interpretation
Das Gedicht "Die schamhafte Zeit" von Friedrich Freiherr von Logau beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Zeit und Wahrheit. Die Zeit wird als ein Wesen dargestellt, das eine gewisse Schamhaftigkeit an den Tag legt. Diese Schamhaftigkeit äußert sich darin, dass die Zeit die nackte Wahrheit nicht ertragen kann und daher bestrebt ist, sie zu verhüllen oder zu kleiden. Die erste Strophe führt das Thema ein, indem sie die Zeit als grundsätzlich schamhaft charakterisiert. Diese Schamhaftigkeit wird als eine Art Liebesbeziehung zur Verschämtheit beschrieben. Die Zeit scheint also eine Affinität zur Verhüllung und zum Verbergen zu haben. In der zweiten Strophe wird die Konsequenz dieser Schamhaftigkeit deutlich. Die Zeit kann die nackte Wahrheit nicht ertragen und ist daher bestrebt, sie zu verkleiden. Dies kann als Metapher für den Prozess der Geschichtsschreibung oder der Überlieferung von Ereignissen verstanden werden, bei dem die nackte Realität oft durch Interpretationen, Legenden oder Mythen überlagert wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Kontrast
- Der Gegensatz zwischen der 'nackten Wahrheit' und der 'gekleideten Wahrheit' hebt die Vorliebe der Zeit für Verschämtheit hervor.
- Metapher
- Die 'Wahrheit' wird als 'nackt' beschrieben, was ihre Verletzlichkeit und Offenheit symbolisiert.
- Personifikation
- Die Zeit wird als weibliches Wesen dargestellt, das 'Verschämlichkeit' liebt und 'emsig' ist, die Wahrheit zu kleiden.
- Reimschema
- Das Gedicht folgt einem AABB-Rhythmus, was die Harmonie und den Fluss der Verse verstärkt.