Die Sänger
1819Wir üben eine schöne Pflicht Wir Sänger jung und alt, Dem Blumenduft, dem Sternenlicht Gibt unser Sang Gestalt.
Wir finden für den stillsten Traum Das Wort als Deuterin, Und was die Meisten ahnen kaum, - Uns liegt es klar im Sinn.
Was Tausenden das Herz umzieht Als trüber Dämmerschein, Wir singen es in einem Lied Laut in die Welt hinein!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Sänger" von Hermann Rollett beschreibt die Rolle und Bedeutung von Dichtern und Sängern in der Gesellschaft. Die erste Strophe führt das zentrale Thema ein: Sänger haben eine "schöne Pflicht", die darin besteht, abstrakte und unsichtbare Schönheit wie Blumenduft und Sternenlicht in konkrete Form zu bringen. Sie verwandeln die flüchtigen und immateriellen Aspekte der Natur in hörbare und fühlbare Kunst. In der zweiten Strophe wird die Fähigkeit der Sänger betont, auch die tiefsten und stillsten menschlichen Träume in Worte zu fassen. Sie agieren als "Deuterin", als Interpretin der innersten Gedanken und Gefühle, die vielen Menschen schwer zugänglich sind. Die Sänger haben die Gabe, das Unklare und Unbewusste klar und verständlich zu machen, und bringen somit Licht in die Dunkelheit des Unaussprechlichen. Die dritte Strophe verdeutlicht den Einfluss der Sänger auf die Gesellschaft. Was vielen Menschen nur als vages Gefühl oder "trüber Dämmerschein" bewusst ist, wird durch ihre Lieder laut und deutlich in die Welt getragen. Die Sänger haben die Macht, kollektive Emotionen und Stimmungen zu artikulieren und zu verbreiten, wodurch sie das kollektive Bewusstsein formen und stärken. Sie sind die Stimme des Volkes, die das Unsichtbare sichtbar und das Unausgesprochene hörbar macht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wir singen es in einem Lied laut in die Welt hinein
- Kontrast
- Was Tausenden das Herz umzieht als trüber Dämmerschein
- Metapher
- Dem Blumenduft, dem Sternenlicht gibt unser Sang Gestalt
- Parallelismus
- Wir Sänger jung und alt
- Personifikation
- Wir finden für den stillsten Traum das Wort als Deuterin