Die Ruhe

Johanna Charlotte Unzer

1725

Vergebner, heißer Wunsch nach Ruh, Was sättigt dich? Was stillt die Schmerzen Des unruhvollen, bangen Herzen? Was heilt die tiefen Wunden zu?

Auf der Welt ist nichts zu finden. Reichthum, Wollust, Ehre schwinden, und uns bleibt, nach dem Genuß, Ekel und Verdruß.

Umsonst such ich ein dauernd Glück In allen Gütern dieses Lebens. Sie fliehn zu schnell, und, ach! vergebens Ruff ich, ermüdend, sie zurück.

Meine Jugend, deren Ende Ich durch Suchen nach verschwende, Meine beste Zeit verschwand, Eh ich Ruhe fand.

Allein bey Dir, der meiner Brust Den Trieb noch schenkte, Dich zu lieben, Bey Dir, mein Gott, bin ich geblieben, Du warst, und bist noch meine Lust.

Du, Du wiegtest, voll Erbarmen, In den väterlichen Armen, O wie sanft! die Herzen ein, Daß sie ruhig seyn.

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Illustration zu Die Ruhe

Interpretation

Das Gedicht "Die Ruhe" von Johanna Charlotte Unzer thematisiert die Suche nach innerem Frieden und Zufriedenheit. Die Sprecherin fragt, was den "heißen Wunsch nach Ruh" stillen und die Schmerzen des unruhigen Herzens heilen kann. Sie stellt fest, dass weder Reichtum, Wollust noch Ehre auf der Welt dauerhaftes Glück bieten können, da sie nach dem Genuss nur Ekel und Verdruß zurücklassen. Die Suche nach Glück in den Gütern des Lebens erweist sich als vergeblich, da sie zu schnell entfliehen und nicht zurückgerufen werden können. Die Sprecherin bedauert, dass ihre Jugend und beste Zeit vergeudet wurde, ohne dass sie Ruhe fand. Erst in der Hinwendung zu Gott, der ihr den Trieb gab, ihn zu lieben, findet sie wahre Zufriedenheit. Bei Gott, ihrem "Vater", findet sie Geborgenheit und Trost. Die letzten Zeilen des Gedichts beschreiben, wie Gott die Herzen sanft in väterlichen Armen wiegt, damit sie ruhig sein können. Insgesamt vermittelt das Gedicht die Botschaft, dass wahre Ruhe und Zufriedenheit nicht in weltlichen Gütern zu finden sind, sondern nur in der Hinwendung zu Gott. Erst durch die Liebe und Geborgenheit bei Gott kann das unruhige Herz zur Ruhe kommen.

Schlüsselwörter

herzen bey vergebner heißer wunsch ruh sättigt stillt

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Stilmittel

Alliteration
Vergebner, heißer Wunsch nach Ruh
Anapher
Was sättigt dich? Was stillt die Schmerzen / Des unruhvollen, bangen Herzen? / Was heilt die tiefen Wunden zu?
Bildsprache
In den väterlichen Armen, / O wie sanft! die Herzen ein
Hyperbel
Ich durch Suchen nach verschwende
Kontrast
Allein bey Dir, der meiner Brust / Den Trieb noch schenkte, Dich zu lieben
Metapher
Reichthum, Wollust, Ehre schwinden
Personifikation
Sie fliehn zu schnell
Rhetorische Frage
Was sättigt dich? Was stillt die Schmerzen / Des unruhvollen, bangen Herzen? / Was heilt die tiefen Wunden zu?