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Die Rosse von Gravelotte

Von

18. August

Heiß war der Tag und blutig die Schlacht,
Kühl wird der Abend und ruhig die Nacht.

Droben vom Waldsaum nieder ins Thal
Dreimal schmettert Trompetensignal;

Ladet so laut und schmettert so hell,
Ruft die Dragoner zurück zum Appell.

Truppweis, in Rotten, zu dreien und zwein,
Stellen die tapferen Reiter sich ein.

Aber nicht alle kehren zurück,
Mancher liegt da mit gebrochenem Blick.

Kam zur Reveille frisch noch und rot,
Liegt beim Appell bleich, blutig und tot.

Ledige Rosse, den Sattel leer,
Irren verwaist auf der Walstatt umher.

Doch der Trompete schmetternd Signal
Ruft aus der Ferne zum drittenmal.

Schau, und der Rappe, dort spitzt er das Ohr,
Wiehernd wirft er die Nüstern empor.

Sieh, und der Braune gesellt sich ihm bei,
Trabt ihm zur Seite, wie sonst in der Reih′.

Selber der blutige Schimmel, so müd,
Hinkt auf drei Beinen und reiht sich ins Glied.

Truppweis, in Rotten zu dreien und zwein
Stellen die ledigen Rosse sich ein.

Rosse wie Reiter verstehn den Appell,
Ruft die Trompete, so sind sie zur Stell′.

Ueber dreihundert hat man gezählt,
Rosse, zu denen der Reitersmann fehlt.

Ueber dreihundert, o blutige Schlacht,
Die soviel Sättel hat ledig gemacht!

Ueber dreihundert, o tapfere Schar,
Wo bei vier Mann ein Gefallener war!

Ueber dreihundert, o ritterlich Tier,
Ohne den Reiter noch treu dem Panier!

Wenn ihr die Tapferen von Gravelotte nennt,
Denkt auch der Rosse vom Leibregiment!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Die Rosse von Gravelotte von Karl von Gerok

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Rosse von Gravelotte“ von Karl von Gerok ist eine ergreifende Reflexion über die Schlacht von Gravelotte, die am 18. August stattfand, und hebt die Tapferkeit und Loyalität der Pferde hervor, die in den Kämpfen ihren Dienst taten. Das Gedicht beginnt mit einer Beschreibung des Tages und der Nacht, in der die Schlacht stattfand, und vermittelt einen Kontrast zwischen der Hitze und dem Blutvergießen des Tages und der kühlen Ruhe der Nacht. Der Autor verwendet zunächst bildhafte Sprache, um die Atmosphäre der Schlacht zu vermitteln und die anschließende Heimkehr der verbliebenen Soldaten zu beschreiben.

Die zentrale Botschaft des Gedichts wird deutlich, wenn die Aufmerksamkeit auf die Pferde gelenkt wird, deren Reiter gefallen sind. Gerok beschreibt, wie die Pferde, die ihre Reiter verloren haben, auf dem Schlachtfeld umherirren. Der Klang der Trompetensignale, die zum Appell rufen, bewegt sie jedoch dazu, sich wieder zu versammeln. Die Pferde, darunter ein Rappe, ein Brauner und ein blutiger Schimmel, werden als treue und tapfere Gefährten ihrer gefallenen Reiter dargestellt. Die Szene, in der sich die Pferde trotz ihrer Verletzungen und des Verlustes ihrer Reiter wieder in Reih und Glied aufstellen, ist besonders bewegend und symbolisiert die Treue und den Gehorsam, die in der Schlacht herrschten.

Der Autor zählt über dreihundert Pferde, deren Reiter gefallen sind, und betont so das Ausmaß der Verluste. Die Wiederholung des Satzes „Ueber dreihundert“ verstärkt die Tragik und die hohe Anzahl der Opfer. Das Gedicht gipfelt in einem Aufruf, die Tapferkeit der Pferde in Erinnerung zu behalten, und fordert die Leser auf, bei der Erwähnung der tapferen Soldaten von Gravelotte auch an die Pferde des Leibregiments zu denken. Dies unterstreicht die Rolle der Pferde als unverzichtbare Teilnehmer an der Schlacht und würdigt ihren Mut und ihre Loyalität.

Die Sprache des Gedichts ist einfach und klar, was die emotionale Wirkung verstärkt. Die Verwendung von Reimen und Rhythmus trägt dazu bei, dass das Gedicht eingängig und leicht zu merken ist. Die Bilder von den Pferden, die sich versammeln, trotz ihrer Verletzungen und des Verlustes ihrer Reiter, erzeugen ein starkes Gefühl von Loyalität, Tapferkeit und Tragödie. Geroks Gedicht ist somit nicht nur eine Gedenkstätte an die Schlacht von Gravelotte, sondern auch eine bewegende Hommage an die Tiere, die in diesem Krieg dienten und litten.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.