Die Rosse von Gravelotte
1862- August
Heiß war der Tag und blutig die Schlacht, Kühl wird der Abend und ruhig die Nacht.
Droben vom Waldsaum nieder ins Thal Dreimal schmettert Trompetensignal;
Ladet so laut und schmettert so hell, Ruft die Dragoner zurück zum Appell.
Truppweis, in Rotten, zu dreien und zwein, Stellen die tapferen Reiter sich ein.
Aber nicht alle kehren zurück, Mancher liegt da mit gebrochenem Blick.
Kam zur Reveille frisch noch und rot, Liegt beim Appell bleich, blutig und tot.
Ledige Rosse, den Sattel leer, Irren verwaist auf der Walstatt umher.
Doch der Trompete schmetternd Signal Ruft aus der Ferne zum drittenmal.
Schau, und der Rappe, dort spitzt er das Ohr, Wiehernd wirft er die Nüstern empor.
Sieh, und der Braune gesellt sich ihm bei, Trabt ihm zur Seite, wie sonst in der Reih′.
Selber der blutige Schimmel, so müd, Hinkt auf drei Beinen und reiht sich ins Glied.
Truppweis, in Rotten zu dreien und zwein Stellen die ledigen Rosse sich ein.
Rosse wie Reiter verstehn den Appell, Ruft die Trompete, so sind sie zur Stell′.
Ueber dreihundert hat man gezählt, Rosse, zu denen der Reitersmann fehlt.
Ueber dreihundert, o blutige Schlacht, Die soviel Sättel hat ledig gemacht!
Ueber dreihundert, o tapfere Schar, Wo bei vier Mann ein Gefallener war!
Ueber dreihundert, o ritterlich Tier, Ohne den Reiter noch treu dem Panier!
Wenn ihr die Tapferen von Gravelotte nennt, Denkt auch der Rosse vom Leibregiment!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Rosse von Gravelotte" von Karl von Gerok schildert die traurige Rückkehr der Dragonerpferde nach der Schlacht bei Gravelotte am 18. August. Die Szene beginnt mit einem Kontrast zwischen dem heißen, blutigen Tag der Schlacht und dem kühlen, ruhigen Abend. Die Trompete ruft die Überlebenden zum Appell, doch nicht alle Reiter kehren zurück - viele liegen tot oder verwundet auf dem Schlachtfeld. Die Pferde, ohne ihre Reiter, irren verwaist umher. Doch als die Trompete zum dritten Mal ruft, scheinen auch sie den Appell zu verstehen. Die Tiere stellen sich in Reih und Glied, wie sie es gelernt haben. Es werden über dreihundert Pferde gezählt, für die kein Reiter mehr da ist. Das Gedicht betont die Treue und den Mut dieser Tiere, die auch ohne ihre Herren noch dem Banner folgen. Abschließend fordert der Dichter dazu auf, bei der Erinnerung an die Tapferen von Gravelotte auch an die Pferde des Leibregiments zu denken. Das Gedicht ehrt damit sowohl die gefallenen Soldaten als auch ihre treuen Pferde, die ebenfalls ihr Leben in der Schlacht ließen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Heiß war der Tag und blutig die Schlacht, Kühl wird der Abend und ruhig die Nacht.
- Anapher
- Ueber dreihundert, o blutige Schlacht, Die soviel Sättel hat ledig gemacht! Ueber dreihundert, o tapfere Schar, Wo bei vier Mann ein Gefallener war! Ueber dreihundert, o ritterlich Tier, Ohne den Reiter noch treu dem Panier!
- Metapher
- Droben vom Waldsaum nieder ins Thal Dreimal schmettert Trompetensignal;
- Personifikation
- Schau, und der Rappe, dort spitzt er das Ohr, Wiehernd wirft er die Nüstern empor.
- Symbolik
- Rosse wie Reiter verstehn den Appell, Ruft die Trompete, so sind sie zur Stell′.