Die Rosen

Luise Büchner

1862

n dunkler Gartenlaube ein bleiches Mädchen stand, Sie hielt zwei duft′ge Rosen in ihrer weißen Hand; Und in den Kelch der rothen schaut sie mit trübem Schmerz: So glühte und so prangte auch einst mein junges Herz; So trank′s in heißen Zügen des Lebens Morgenluft, So quoll aus seinem Innern der Liebe süßer Duft. Jetzt gleicht′s der weißen Rose, so kalt ist es und mild, Wohl ruht darin geborgen manch′ liebes, theures Bild, Doch ist sein Feu′r erloschen, sein Klopfen fühl′ ich kaum, Bald werd′ im Grab vergessen ich ganz der Jugend Traum. Und wenn auf meinem Hügel dann weiße Rosen blüh′n, So laßt an ihrer Seite auch rothe Knospen glüh′n, Den Schläfer einst zu nennen, des Denksteins braucht es nicht, Mein Hoffen und Entsagen aus ihren Kelchen spricht!«

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Illustration zu Die Rosen

Interpretation

Das Gedicht "Die Rosen" von Luise Büchner handelt von einem bleichen Mädchen, das in einer dunklen Gartenlaube steht und zwei Rosen in der Hand hält. Die rote Rose symbolisiert ihr einst leidenschaftliches und blühendes Herz, das voller Liebe und Lebensfreude war. Die weiße Rose hingegen steht für ihre jetzige Gefühlskälte und Ruhe, in der zwar liebevolle Erinnerungen ruhen, aber das Feuer der Jugend erloschen ist. Das Mädchen blickt mit traurigem Schmerz in die rote Rose und erinnert sich an die Zeit, als ihr Herz noch voller Leidenschaft war. Sie trank die Morgenluft des Lebens und ließ die süße Liebe in sich aufsteigen. Doch jetzt ist ihr Herz wie die weiße Rose, kalt und mild. Obwohl darin liebe und teure Bilder ruhen, ist das Feuer erloschen und sie spürt kaum noch ein Klopfen. Sie befürchtet, bald im Grab vergessen zu werden und nur noch ein Traum der Jugend zu sein. Am Ende des Gedichts wünscht sich das Mädchen, dass auf ihrem Grabhügel sowohl weiße als auch rote Rosen blühen mögen. Die weißen Rosen sollen ihre gegenwärtige Ruhe und Kälte symbolisieren, während die roten Knospen an ihrer Seite ihre vergangene Leidenschaft und Liebe repräsentieren. Sie möchte nicht durch einen Grabstein erinnert werden, sondern durch die Sprache der Rosen, die von ihrem Hoffen und Entsagen erzählen.

Schlüsselwörter

duft rosen weißen einst dunkler gartenlaube bleiches mädchen

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die duft'ge Rosen in ihrer weißen Hand
Apostrophe
So laßt an ihrer Seite auch rothe Knospen glüh'n
Hyperbel
Bald werd' im Grab vergessen ich ganz der Jugend Traum
Kontrast
Die rote Rose (Jugend) vs. die weiße Rose (Alter)
Metapher
So glühte und so prangte auch einst mein junges Herz
Personifikation
So trank's in heißen Zügen des Lebens Morgenluft
Symbolik
Die Rosen stehen für die Jugend und das Altern
Vergleich
Jetzt gleicht's der weißen Rose, so kalt ist es und mild