Die Republik

Ferdinand Freiligrath

1844

Die Republik, die Republik! Herrgott, das war ein Schlagen! Das war ein Sieg aus einem Stück! Das war ein Wurf! Die Republik! Und alles in drei Tagen! Die Republik, die Republik! Vive la République! Die Republik, die Republik! Ankeuchten die Berichte: Ein Atemzug, ein Wink, ein Blick, ein Handumdrehn - die Republik! So dichtet die Geschichte! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Die Republik, die Republik! Nun ist der Wall erstiegen! Nun ist gerannt die Mauerlück - die Republik, die Republik! Und unsre Farben fliegen! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Die Republik, die Republik! Noch stehn wir müssig unten! Vom Wall doch ruft’s: bleibt nicht zurück! Nach durch den Riss - die Republik! - Beim Aufblitz unsrer Lunten! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Die Republik, die Republik! Ja doch, ihr Vorhut-Streiter - Wir folgen euch! Die Republik! Schon dröhnt von unserm Fuss die Brück, schon fassen wir die Leiter! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Die Republik, die Republik! Wer redet von Entzweien? Was Völkerhass! Die Republik! Als Freie, jochlos das Genick, so treten wir zu Freien! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Von heute an - die Republik! - Zwei Lager nur auf Erden: die Freien mit dem kühnen Blick, die Sklaven, um den Hals den Strick! Sei’s! Mag’s entschieden werden! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Sonst aber - hoch die Republik! - Kein Kriegen mehr und Spalten! Nur fester Bund zu Lieb und Glück! Nur Bruderschaft - die Republik! - Und menschlich schön Entfalten! Die Republik, die Republik! Vive la République!

Die Republik, die Republik! Wohlan denn, Rhein und Elbe! Donau, wohlan - die Republik! Die Stirnen hoch, hoch das Genick! Eu’r Feldgeschrei dasselbe: Die Republik, die Republik! Vive la République!

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Illustration zu Die Republik

Interpretation

Das Gedicht "Die Republik" von Ferdinand Freiligrath ist ein leidenschaftliches Plädoyer für die Errichtung einer republikanischen Staatsform. Es zeichnet sich durch seine rhythmische Wiederholung des Titels und des Schlachtrufs "Vive la République" aus, was den revolutionären Eifer und die Dringlichkeit des Anliegens unterstreicht. Freiligrath beschwört die Idee der Republik als ein erreichbares Ziel, das durch kollektive Anstrengung und Entschlossenheit verwirklicht werden soll. Das Gedicht beschreibt die Republik als einen Triumph, der rasch errungen wurde, und vergleicht die politische Umwälzung mit einer militärischen Eroberung. Die Metaphern von Mauern, die erstiegen und durchbrochen werden, symbolisieren die Überwindung alter Strukturen und die Erringung neuer Freiheiten. Freiligrath ruft zur Einheit auf und betont, dass es nur noch zwei Lager geben soll: die Freien und die Sklaven, wobei letztere den Strick um den Hals tragen, als Symbol ihrer Unterdrückung. Abschließend fordert Freiligrath ein Ende von Kriegen und Spaltungen und plädiert für einen festen Bund aus Liebe und Glück, Brüderlichkeit und menschlicher Entfaltung. Er richtet seinen Aufruf an die deutschen Flüsse Rhein, Elbe und Donau, als Symbole der Nation, und vereint sie unter dem gemeinsamen Feldgeschrei für die Republik. Das Gedicht ist somit ein Manifest für nationale Einheit und republikanische Ideale im 19. Jahrhundert.

Schlüsselwörter

republik vive hoch blick wall genick freien wohlan

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Die Wiederholung von Konsonanten wie 'Wohlan denn, Rhein und Elbe!'
Anapher
Die wiederholte Verwendung von 'Die Republik, die Republik!' am Anfang jeder Strophe
Epipher
Die Wiederholung von 'Vive la République!' am Ende jeder Strophe
Exclamatio
Die Verwendung von Ausrufen wie 'Herrgott, das war ein Schlagen!' und 'Vive la République!'
Hyperbel
Die Übertreibung in 'Das war ein Sieg aus einem Stück!' und 'Das war ein Wurf!'
Metapher
Die Verwendung von Metaphern wie 'der Wall erstiegen' und 'die Mauerlück'
Parallelismus
Die Wiederholung ähnlicher Satzstrukturen in den Strophen
Personifikation
Die Personifikation der Republik als lebendiges Wesen, das 'gerufen' und 'gekämpft' wird
Rhetorische Frage
Die Verwendung von Fragen wie 'Wer redet von Entzweien?'
Symbolik
Die Verwendung von Farben als Symbol für die Republik