Logo der Website, Schriftzug "Poesie Oase" mit Palmen umrandet.
,

Die Republik der Spinnen

Von

Dem Spinnenvolke fiel es ein,
In Zukunft sicherer zu seyn,
Und nicht Jedwedem zu vergönnen,
In ihrem Schloß herum zu rennen,
Sie wohnten eben dazumal
In einem großen wüsten Saal,
Durch dessen offne Fensterbogen
Stets Mücke, Schwalb′ und Sperling flogen.
Wir wollen (murreten die Spinnen)
Den Vortheil euch wohl abgewinnen;
Und zogen in die Läng′ und Quer′
Viel Fäden vor den Fenstern her.
Doch Schwalb′ und Sperling kamen bald
Und fuhren dreist und mit Gewalt
Durch diese leichten Spinnenweben,
Und nur die Mücken blieben kleben.

Ganz so, wie diese Spinnennetze,
Sind oft im Staate die Gesetze.
Kein Mächt′ger wird darin gefangen,
Nur bloß der Schwache bleibt d′rin hangen.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Die Republik der Spinnen von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Republik der Spinnen“ von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae ist eine satirische Fabel, die sich kritisch mit der Natur von Gesetzen und dem Wesen des Staates auseinandersetzt. Die Spinnen, als Repräsentation der Machthaber, wollen durch die Errichtung von Netzen ihre Sicherheit erhöhen und sich vor äußeren Einflüssen schützen. Die Fabel beginnt mit dem Entschluss des Spinnenvolkes, ihre Lebensweise zu verändern und ihre Umgebung besser zu kontrollieren.

Die Satire entfaltet sich in der Diskrepanz zwischen dem Ziel der Spinnen und dem tatsächlichen Ergebnis ihrer Bemühungen. Während sie versuchen, durch Gesetze (symbolisiert durch die Spinnennetze) ihre Ordnung zu festigen und Eindringlinge abzuwehren, scheitern sie an der Umsetzung. Mächtige Akteure wie Schwalben und Sperlinge (als Metaphern für die Mächtigen) durchbrechen die Netze mühelos, während nur die kleinen und wehrlosen Mücken (die Schwachen) in ihnen gefangen bleiben.

Die Pointe des Gedichts liegt in der direkten Parallele zwischen den Spinnennetzen und den Gesetzen im Staat. Zachariae kritisiert die Ungerechtigkeit und die selektive Wirksamkeit von Gesetzen, die oft nur die Schwachen treffen, während die Mächtigen ungestraft agieren können. Die Zeilen „Ganz so, wie diese Spinnennetze, / Sind oft im Staate die Gesetze“ fassen die zentrale Botschaft zusammen: Gesetze können in ihrer Anwendung verzerrt werden und dienen nicht immer dem Wohl aller Bürger.

Das Gedicht nutzt eine einfache Sprache und eine humorvolle Erzählweise, um eine tiefgründige politische Kritik zu äußern. Der Autor bedient sich der allegorischen Darstellung, um die Leser zum Nachdenken über die Funktionsweise von Macht und Recht in der Gesellschaft anzuregen. Die Fabelform ermöglicht es, die Kritik auf subtile und dennoch wirkungsvolle Weise zu transportieren, indem sie die Ungerechtigkeit im Staat am Beispiel der Spinnen und ihrer Netze veranschaulicht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.