Die Reise

Joseph Christian von Zedlitz

1814

Schon verschwinden jene Berge, Die die heit’re Stadt umziehn, Jene fernen blauen Höhen Seh’ ich auch vorüber fliehn.

Und des Stromes grüne Wogen Rollen unaufhaltsam fort, Und ich fahr’ an seinem Ufer, Neben, mit ihm roll’ ich fort.

Doch, so wie von seiner Quelle Bis wo er in’s Meer sich gießt, Jeder Tropfen seines Wassers Liebend dort vorüberfließt;

Und wie er mit seinen Fluthen Sehnend an die Stadt sich schmiegt, Und wie, selig, seine Traute, Sie an seinem Busen liegt;

Und, ob Woge strömt an Woge, Und wie eilig sie entrinnt, Doch der Strom sich nicht vermindert, Neue Macht im Lauf gewinnt, –

So ist, was ich denke, fühle, Meiner Liebsten zugesellt: Hin zu ihr hat all’ mein Sehnen Immer seinen Lauf gestellt.

So umfängt sie meine Liebe, So schmiegt sich mein Herz ihr an, Und so ist ihr jede Regung Meiner Seele unterthan.

Und so viel ich Liebe spende, Sie mir nimmer doch gebricht; Woge treibt die Woge brausend, Doch der Strom versieget nicht.

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Illustration zu Die Reise

Interpretation

Das Gedicht "Die Reise" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von der unerschütterlichen und unaufhaltsamen Natur der Liebe. Der Sprecher vergleicht seine Liebe zu seiner Liebsten mit einem Fluss, der von seiner Quelle bis ins Meer fließt. Wie der Fluss seine Reise unermüdlich fortsetzt, so fließt auch die Liebe des Sprechers stetig zu seiner Geliebten. Die Bilder der vorüberziehenden Berge und des fließenden Flusses symbolisieren den Lauf der Zeit und die Vergänglichkeit des Lebens. Doch die Liebe des Sprechers bleibt konstant und unerschütterlich, wie der Fluss, der sich unaufhaltsam seinem Ziel nähert. Die Liebe umschließt und umarmt die Geliebte, und jede Regung der Seele des Sprechers ist ihr untertan. Der letzte Vers verdeutlicht die unerschöpfliche Natur der Liebe. So wie der Fluss, trotz der brausenden Wellen, niemals versiegt, so nimmt auch die Liebe des Sprechers nie ab, egal wie viel er davon gibt. Die Liebe ist eine beständige Kraft, die den Sprecher immer wieder zu seiner Liebsten treibt.

Schlüsselwörter

woge stadt fort schmiegt strom lauf liebe verschwinden

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Woge strömt an Woge, und wie eilig sie entrinnt.
Hyperbel
Die Beschreibung der Liebe als ein Fluss, der sich niemals vermindert oder versiegt.
Metapher
Die Reise wird als Fluss dargestellt, der unaufhaltsam fließt.
Personifikation
Die Berge 'verschwinden', der Fluss 'rollt', und die Stadt 'umzieht' die Berge.
Vergleich
Der Fluss wird mit der Liebe des Sprechers verglichen, die unaufhaltsam und beständig ist.