Die Realistin
1912Rosetta behauptet, die Liebe Sei lediglich Schweinerei, Die man nur deshalb betriebe, Weil einem so wohl dabei.
Daß Menschen an Liebe gestorben, Das sei nicht schwer zu verstehn. Sie hätten sich eben verdorben, Wie′s öfter pflegt zu geschehn.
Sie selber sähe das peinlich, Denn ein verliebtes Schwein, Das müsse auswendig so reinlich Wie ein Engel inwendig sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Realistin" von Frank Wedekind beschreibt die zynische Sichtweise einer Frau namens Rosetta auf die Liebe. Sie behauptet, dass Liebe lediglich eine Art von "Schweinerei" sei, die Menschen nur aus Vergnügen betreiben. Für Rosetta ist die romantische Vorstellung von Liebe nichts weiter als eine oberflächliche und egoistische Handlung. In der zweiten Strophe erweitert Rosetta ihre Ansicht, indem sie sagt, dass Menschen an Liebe sterben, weil sie sich "verdorben" haben, wie es oft der Fall ist. Dies deutet darauf hin, dass sie die Liebe als etwas Gefährliches und Selbstzerstörerisches betrachtet, das Menschen in den Ruin treibt. Die letzte Strophe offenbart einen Widerspruch in Rosettas Denken. Obwohl sie die Liebe als etwas Schmutziges ansieht, findet sie es "peinlich", dass ein verliebter Mensch von außen rein und von innen wie ein Engel sein muss. Dies könnte bedeuten, dass sie die Heuchelei und den Widerspruch in der menschlichen Natur erkennt, die versucht, eine schmutzige Handlung durch ein reines Äußeres zu rechtfertigen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- verdorben, Wie's öfter pflegt zu geschehn
- Hyperbel
- Daß Menschen an Liebe gestorben
- Ironie
- Weil einem so wohl dabei
- Kontrast
- auswendig so reinlich / Wie ein Engel inwendig sein
- Metapher
- Die Liebe sei lediglich Schweinerei