Die Ratten

Georg Trakl

1913

Im Hof scheint weiß der herbstliche Mond. Vom Dachrand fallen phantastische Schatten. Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt; Da tauchen leise herauf die Ratten.

Und huschen pfeifend hier und dort Und ein gräulicher Dunsthauch wittert Ihnen nach aus dem Abort, Den geisterhaft der Mondschein durchzittert.

Und sie keifen vor Gier wie toll Und erfüllen Haus und Scheunen, Die von Korn und Früchten voll. Eisige Winde im Dunkel greinen.

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Illustration zu Die Ratten

Interpretation

Das Gedicht "Die Ratten" von Georg Trakl ist eine düstere und bedrückende Darstellung einer herbstlichen Szene. Die Atmosphäre ist von einer unheimlichen Stille und Kälte geprägt. Der weiße, herbstliche Mond wirft phantastische Schatten auf das Dach und verleiht der Szene eine gespenstische Aura. Die leeren Fenster tragen zur Verlassenheit bei, aus der die Ratten langsam hervortreten. Die Ratten werden als zwielichtige und gierige Kreaturen beschrieben, die pfeifend durch den Hof huschen. Ein gräulicher Dunst folgt ihnen aus dem Abort, der vom Mondschein durchzittert wird. Die Ratten erscheinen als unheimliche und unerwünschte Eindringlinge, die das Haus und die Scheunen bevölkern. Ihre Gier und ihr wildes Verhalten werden betont, als sie "vor Gier wie toll keifen". Die Fülle an Korn und Früchten in den Gebäuden kontrastiert mit der Kälte und Verlassenheit der Umgebung. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Die eisigen Winde im Dunkel "greinen", was auf eine düstere und trostlose Stimmung hindeutet. Die Ratten scheinen die Szene zu beherrschen und die Natur sowie die menschlichen Behausungen zu übernehmen. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Verfall, Einsamkeit und dem unaufhaltsamen Vordringen des Unheils.

Schlüsselwörter

hof scheint weiß herbstliche mond dachrand fallen phantastische

Wortwolke

Wortwolke zu Die Ratten

Stilmittel

Alliteration
pfeifend hier und dort
Bildsprache
gräulicher Dunsthauch wittert ihnen nach
Hyperbel
erfüllen Haus und Scheunen
Kontrast
von Korn und Früchten voll. Eisige Winde im Dunkel greinen
Metapher
phantastische Schatten
Onomatopoesie
keifen vor Gier
Personifikation
Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt
Symbolik
Mondschein durchzittert den Abort