Die Rache
1765Aus des Aethers strahlender tiefer Wölbung Stürzen Welten entbrannt zur glüh′nden Trümmer, Prasselnd zucken Flammen umher, laut donnert′s Tief durch den Bergwald!
Der Komet hängt glühend am düstern Himmel, Land und Meer beschattet sein trüber Schimmer, Und sein blasses flammenbeschweiftes Antlitz Droht durch die Nächte!
Grause Fehde wohnet, Gewalt und Zwietracht, Leid und Knechtschaft wohnen auf blut′ger Erde, Zum Olymp entflohen längst Fried′ und Treue, Hoffnung und Liebe!
Ferne wohnt in nördlichen Poles Schimmer, Schuldlos wohnt ein Volk, das geliebt den Göttern; Lieb der Menschheit selt′ner geword′nen bessern, Edlen Geschlechtern;
Reine Treue du, die der Erd′ entflohest, Wahrheit, Bürgin heiliger Friedenspalmen, Und du stille Menschlichkeit mit der sanften Thrän′ an der Wimper -
Blutbedeckten Thronen entschwebend eiltet Ihr, der Welteroberer Sitz verlassend; Sanft vom hohen Sternengewölbe senkte Stille der Flug sich:
Wo in blauer Baltischer Fluthen Tanze Froh die grünen friedlichen Inseln winkten, Und im heitern heiligen Buchenschatten Unschuld euch winkte!
Golden wallet Ceres im Schmuck der Ähren, Fette Heerden weiden auf Blumentriften, Und von reinen Lippen erschallt der frohe Dank zu den Göttern!
Trautes Eiland! brausend um dich erhoben Sich die wilden Fluthen des Weh′s und stürzten Zornentbrannt mit lange verhalt′nem Grimme Über uns nieder!
Schutzverwandte waren wir lang′ und Brüder; Einem Stamm entsprossen mit Englands Söhnen, Vom Thyrannenjoche befreiten wir einst Albions Nacken!
Fluch den Räubern, den Meertyrannen Wehe! Die des Friedens heiligen Bund verhöhnten! Stürz′, o Sund, die donnernden wilden Fluthen Auf die Verbrecher!
Amm′ und Mutter Ostsee, von dir geliebet Waren stets die grünenden holden Inseln: Die mit Todesnetzen uns jetzt umfingen, Gürte mit Schrecken!
Hin in Fesseln ewiger Knechtschaft führen Sie des Bergwalds herrliche stolze Nymphen; Die von Eis umstarret des Nords Dryade Jammernd beweinet!
Bäumst du Nordsee hoch nicht den stolzen Nacken, Hebend dunkle Fluthen empor zum Aether? Raub und Räuber stürzend hinab in tiefe Nacht des Entsetzens!
Zornentbrannte Trümmer vergeh′nder Welten, Ihr, die weite Öden des Raums durchirret, Stürzet gluthentflammet herab auf wilde Räuber der Flotte;
Ruhm und Stolz einst Daniens hehrem Namen, Deren Schlünde donnernder Ruf nur tönte: Treue, Recht und goldenen Bund des Friedens Muthig zu schützen!
Stürz′ aus heit′rer Wölbung des blauen Aethers, Schmettr′ hinab, o Trümmer entflammter Welten! Daß der Erdkreis zitternd vernehm′, es wohn′ ein Rächer im Himmel!
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Rache" von Friederike Sophie Christiane Brun handelt von der Zerstörung und dem Untergang eines friedlichen Volkes, das einst von den Göttern geliebt wurde. Es schildert die Gewalt und Zwietracht, die auf der Erde herrschen, und den Verlust von Hoffnung und Liebe. Das Gedicht beschreibt auch die Flucht der Tugenden wie Treue, Wahrheit und Menschlichkeit von der Erde in den Himmel. Das Gedicht erzählt weiter von einem idyllischen Eiland in der Ostsee, das von Ceres, der Göttin der Fruchtbarkeit, gesegnet ist. Doch dieses Eiland wird von den wilden Fluten des Leids und Zorns überflutet. Das Gedicht beklagt den Verrat ehemaliger Verbündeter, die nun das friedliche Volk in Knechtschaft führen und die schönen Inseln mit Schrecken umgeben. Das Gedicht endet mit einem Aufruf an die Naturgewalten und die Trümmer zerstörter Welten, sich gegen die Räuber und Meertyrannen zu erheben. Es fordert einen Rächer im Himmel auf, seine Rache an den Verbrechern zu üben und den Erdkreis zittern zu lassen. Das Gedicht ist eine leidenschaftliche Anklage gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung und ein Plädoyer für den Schutz von Treue, Recht und Frieden.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Land und Meer beschattet sein trüber Schimmer
- Bildsprache
- Golden wallet Ceres im Schmuck der Ähren, / Fette Heerden weiden auf Blumentriften
- Hyperbel
- Stürz′ aus heit′rer Wölbung des blauen Aethers, / Schmettr′ hinab, o Trümmer entflammter Welten!
- Kontrast
- Wo in blauer Baltischer Fluthen Tanze / Froh die grünen friedlichen Inseln winkten, / Und im heitern heiligen Buchenschatten / Unschuld euch winkte!
- Metapher
- Aus des Aethers strahlender tiefer Wölbung / Stürzen Welten entbrannt zur glüh′nden Trümmer
- Personifikation
- Die Rache wohnet, Gewalt und Zwietracht, / Leid und Knechtschaft wohnen auf blut′ger Erde
- Symbolik
- Der Komet hängt glühend am düstern Himmel