Die Quelle

Novalis

1802

Murmle stiller, Quellchen, durch den Hain, Hold durchflochten von der Sonne Schimmer, Singe deine süßen Lieder immer Sanft umdämmert von den Frühlingsmai′n.

Philomele ruft Akkorde drein, Leiser Liebe zärtliches Gewimmer, Da wo sich das zarte Ästchen krümmer Neiget zu der Welle Silberschein.

Käme Molly doch hieher gegangen, Wo Natur im Hirtenkleide schwebt, Allgewaltig mir im Busen webt,

Reizvoll würde sie die auch umfangen, Und vergessen ließ ein einzger Kuß Uns vergangnen Kummer und Verdruß.

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Interpretation

Das Gedicht "Die Quelle" von Novalis ist ein lyrisches Werk, das die Schönheit und Ruhe der Natur feiert. Die Quelle wird als sanftes, flüsterndes Element beschrieben, das durch den Hain fließt und von der Sonne beschienen wird. Der Frühlingsmonat Mai umgibt die Quelle mit einer sanften Dämmerung, was die idyllische Atmosphäre verstärkt. Die Natur wird als harmonisch und einladend dargestellt, wobei die Quelle als zentrales Element fungiert. Die Erwähnung von Philomele, der Nachtigall, fügt dem Gedicht eine musikalische Komponente hinzu. Die Nachtigall singt Akkorde, die an die zarte Liebe erinnern, und ihre Lieder hallen wider, wo sich die Äste über der Quelle neigen und das silbrige Licht der Welle reflektieren. Das Gedicht endet mit dem Wunsch, dass eine geliebte Person, Molly, an diesen Ort kommt, wo die Natur in einem Hirtenkleid erscheint und im Herzen des Sprechers allgegenwärtig ist. Die Vorstellung, dass Molly die Quelle umfassen und durch einen einzigen Kuss vergangene Sorgen und Ärgernisse vergessen lassen würde, unterstreicht die transformative Kraft der Natur und der Liebe. Das Gedicht vermittelt eine Sehnsucht nach Einheit mit der Natur und der Geliebten, die durch die Quelle symbolisiert wird.

Schlüsselwörter

murmle stiller quellchen hain hold durchflochten sonne schimmer

Wortwolke

Wortwolke zu Die Quelle

Stilmittel

Alliteration
Singe deine süßen Lieder immer
Anapher
Murmle stiller, Quellchen, durch den Hain, Hold durchflochten von der Sonne Schimmer
Hyperbel
Allgewaltig mir im Busen webt
Kontrast
Philomele ruft Akkorde drein, Leiser Liebe zärtliches Gewimmer
Metapher
Käme Molly doch hieher gegangen
Parallelismus
Neiget zu der Welle Silberschein
Personifikation
Natur im Hirtenkleide schwebt