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Die Planetenbewohner

Von

Mit süßen Grillen sich ergötzen,
Einwohner in Planeten setzen,
Eh man aus sichern Gründen schließt,
Daß Wein in den Planeten ist:
Das heißt zu früh bevölkern.

Freund, bringe nur zuerst aufs reine,
Daß in den neuen Welten Weine,
Wie in der, die wir kennen, sind:
Und glaube mir, dann kann ein Kind
Auf seine Trinker schließen.

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Gedicht: Die Planetenbewohner von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Planetenbewohner“ von Gotthold Ephraim Lessing ist eine satirische Kritik an vorschnellen Schlussfolgerungen und dem überstürzten Umgang mit Annahmen, insbesondere im Kontext der Wissenschaft und der menschlichen Natur. Lessing nutzt die Metapher der Planetenbewohner und des Weins, um die Tendenz des Menschen, voreilige Schlüsse zu ziehen, zu kritisieren. Der erste Vers „Mit süßen Grillen sich ergötzen“ deutet auf eine fantasievolle, möglicherweise unrealistische Vorstellung von den Bewohnern anderer Planeten hin, die durch das Anhängen von „Einwohner in Planeten setzen“ noch verstärkt wird.

Der Kern der Kritik liegt in der Aussage „Eh man aus sichern Gründen schließt, / Daß Wein in den Planeten ist: / Das heißt zu früh bevölkern.“ Hier prangert Lessing das Überspringen von notwendigen Beweisen und die vorschnelle Schlussfolgerung an. Bevor man überhaupt die Existenz von Wein in den Planeten festgestellt hat, wird bereits von deren Bewohnern gesprochen, was einen logischen Fehler darstellt. Diese vorschnelle „Bevölkerung“ der Planeten steht symbolisch für das unreflektierte Anhängen von Annahmen an unbewiesene Tatsachen, eine Kritik, die sich nicht nur auf astronomische Spekulationen beschränkt, sondern auch auf menschliches Verhalten und Erkenntnisprozesse allgemein anwendbar ist.

Im zweiten Teil des Gedichts wird die Kritik weiter verdeutlicht. Lessing fordert, „Freund, bringe nur zuerst aufs reine, / Daß in den neuen Welten Weine, / Wie in der, die wir kennen, sind“. Erst nachdem der Beweis für die Existenz von Wein erbracht wurde, kann man zur Schlussfolgerung übergehen. Die abschließende Zeile „Und glaube mir, dann kann ein Kind / Auf seine Trinker schließen“ reduziert die ganze Problematik auf eine triviale Ebene. Sie verdeutlicht, dass erst, wenn die grundlegenden Fakten feststehen, man auf die Konsequenzen schließen kann. Diese Zeile hat einen ironischen Unterton und stellt die Unbekümmertheit, mit der wir über Dinge spekulieren, bloß.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Lessings Gedicht eine humorvolle, aber tiefgründige Kritik an der menschlichen Neigung zu voreiligen Schlüssen darstellt. Durch die Verwendung der Metapher der Planetenbewohner und des Weins gelingt es ihm, eine universelle Wahrheit über das kritische Denken und die Notwendigkeit fundierter Beweise in jeglicher Form der Wissensgewinnung zu vermitteln. Die Kürze und Prägnanz des Gedichts tragen dazu bei, die Botschaft effektiv zu transportieren und zum Nachdenken über die eigenen Denkmuster anzuregen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.