Die Passionsblume
1839Grimm durchbohrt von spitzen Nägeln, dorngekrönt das hehre Haupt, Hing der Heiland an dem Kreuze, schmerzdurchzuckt und trostberaubt; Höhnend lächeln nur die Juden, wie er leidet heiße Qual, Einzig eine liebe Blume blickt voll Leid zum Kreuzespfahl.
Und sie rankt sich kühlend, lindernd hoch empor am blut`gen Pfahl, Rührt Hände, rührt die Lippen ihres Schöpfers voller Qual, Daß sie länger nicht mehr brennen in des heißen Durstes Pein, Daß der Heiland sei am Kreuze nicht so ganz und gar allein.
Sie durchflicht die Dornenkrone sacht mit saftigdunklem Grün, Daß die herben, scharfen Dornen wie im Maienglanze blüh`n, Weich die Blätter legt sie leise auf des Dulders bleiche Stirn, Wunden hüllend, Wunden stillend, die zerquälen Stirn und Hirn.
Und da von dem Kreuz erklungen jenes süße Wort: Vollbracht, Wie das Weh, so die Erlösung! — sank auch sie in Todesnacht. Treue Blume, schließ` das Auge, welke nur, der Frühling lacht, Der Karfreitag ist zu Grabe, und der Ostertag erwacht!
Als der Herr vom Grab erstanden, auch die Blume neu erblüht; Wie sie frühlingssonnig duftet, wie sie frühlingsbunt erglüht! Christi Schmerzen, Dornen, Nägel, die fünf Wunden trägt sie zwar, Aber gleich des Heiland`s Wunden lichtverkläret wunderbar.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Passionsblume" von Franz Alfred Muth erzählt von der Passionsblume als Symbol der Nächstenliebe und des Mitgefühls für das Leid Jesu Christi am Kreuz. Die Blume wird als eine tröstende und lindernde Präsenz dargestellt, die sich um den gekreuzigten Heiland schlingt und ihm Trost spendet. Sie rankt sich um den Pfahl, berührt seine Hände und Lippen und bedeckt seine Wunden mit ihren Blättern, um ihm Linderung zu verschaffen. Die Passionsblume wird als eine treue Begleiterin Jesu bis zu seinem Tod am Kreuz und seiner Auferstehung dargestellt. Sie schließt ihre Augen und welkt, als Jesus stirbt, aber erblüht neu, als er am Ostertag aufersteht. Die fünf Wunden der Passionsblume symbolisieren die fünf Wunden Christi, aber sie werden als lichtverklärt und wunderbar dargestellt, was die Hoffnung und das ewige Leben durch den Glauben an Jesus ausdrückt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung des 's' Lautes in 'schmerzdurchzuckt und trostberaubt' und 'schnell und schmerzlich'.
- Bildsprache
- Die Beschreibung der Blume, die sich 'kühlend, lindernd' um das Kreuz rankt und die Dornenkrone mit 'saftigdunklem Grün' durchflicht.
- Hyperbel
- Die Aussage, dass die Blume den Heiland 'nicht so ganz und gar allein' lässt.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen der 'bitteren' Dornenkrone und dem 'saftigdunklen Grün' der Blume.
- Metapher
- Die Blume wird als 'treue Blume' bezeichnet, die 'das Auge schließt' und 'welkt'.
- Personifikation
- Die Blume wird als 'treue Blume' bezeichnet, die ein 'Auge schließt' und 'welkt'.
- Symbolik
- Die Passionsblume symbolisiert das Leiden und die Erlösung Christi.