Die Orden

Franz Carl Spitzweg

1808

Wenn einer einen Orden kriegt, Bei uns ist′s so der Brauch, Sagt jeder grad zu ihm ins G′sicht: “Verdient hätt′ ich ihn auch!” Wahrhaft erfreulich ist dies schon, Es gibt ein treues Bild! Wie hoch muß stehen die Nation Wo jeder sich so fühlt!

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Interpretation

Das Gedicht "Die Orden" von Franz Carl Spitzweg thematisiert humorvoll und zugleich kritisch die menschliche Natur, insbesondere den Ehrgeiz und die Selbstüberschätzung. Durch die Beschreibung einer alltäglichen Situation, in der jemand eine Auszeichnung erhält, offenbart der Dichter eine tiefere Wahrheit über die Gesellschaft und deren Werte. Spitzweg nutzt die Ironie, um die Diskrepanz zwischen der öffentlichen Anerkennung und dem individuellen Anspruch auf Belohnung zu verdeutlichen. Die wiederkehrende Phrase "Verdient hätt ich ihn auch!" verdeutlicht die allgemeine Neigung der Menschen, sich selbst als würdig für Anerkennung zu betrachten, unabhängig von tatsächlichen Leistungen. Dies spiegelt eine breitere Kritik an der Selbstüberschätzung und dem Mangel an Demut in der Gesellschaft wider. Das Gedicht endet mit einer ironischen Bemerkung über die Nation, die als "treues Bild" beschrieben wird. Spitzweg stellt die Frage, wie hoch eine solche Nation stehen kann, wenn jeder Einzelne sich so fühlt. Diese abschließende Frage regt den Leser dazu an, über die Werte und das Selbstverständnis einer Gesellschaft nachzudenken, in der der individuelle Anspruch auf Anerkennung über das gemeinsame Wohl gestellt wird.

Schlüsselwörter

jeder orden kriegt brauch sagt grad sicht verdient

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Wortwolke zu Die Orden

Stilmittel

Direkte Rede
'Verdient hätt' ich ihn auch!'
Hyperbel
Wie hoch muß stehen die Nation / Wo jeder sich so fühlt!
Ironie
Wenn einer einen Orden kriegt, / Bei uns ist's so der Brauch, / Sagt jeder grad zu ihm ins G'sicht: / 'Verdient hätt' ich ihn auch!'
Metapher
Es gibt ein treues Bild!
Reimschema
AABB
Rhetorische Frage
Wie hoch muß stehen die Nation