Die Nixe
1942Es war einmal ein Mann, der gung In eines Flusses Niederung. Der Tanz der grünlich krausen Wellen Tat seines Geistes Licht erhellen.
Am Ufer gluckste es so hohl, Wohl einmal, zwomol, hundertmol; Und auf des Flusses Busen brannte Ein Glanz, den jener Mann nicht kannte.
Da dachte jener klug und schlicht: “Ich weiß nicht, doch da stimmt was nicht!” Und guckte ohne auszusetzen Auf die verwunschnen Wellenfetzen.
Auf einmal gab es einen Ton, Und aus dem Wasser hob sich schon Mit infernalischem Geflimmer Ein blondes, nacktes Frauenzimmer.
Die hatte hinten irgendwo Den Schwanz, gewachsen am Popo; Dagegen fehlten ihr die Beine Das Mädchen hatte eben keine.
Sie steckte sich in ihr Gesicht Ein Lächeln, das ins Herze sticht Und stützte lockend ihre Hände Auf ihres Schwanzes Silberlende.
Dem Mann am Ufer wurde schwach; Er dachte: “Oh”, und dachte: “Ach!” Und ohne groß sich zu bedenken, Wollt er ihr seine Liebe schenken.
Dem Mädchen in der Niederung War seine Liebe nicht genung; Sie winkte, statt sich zu erbarmen, Dem Mann mit ihren beiden Armen.
Da bebberte der arme Mann, Wie nur ein Starker bebbern kann; Und senkte sich mit einem Sprung Hinunter in die Niederung.
Da sitzt er nun und hat den Arm Gebogen um der Nixe Charme; Und wenn ein anderer kommt gegangen, So wird er ebenso gefangen.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Nixe" von Kurt Schwitters erzählt die klassische Geschichte einer Nixe, die einen Mann mit ihrer Schönheit und ihrem Charme verführt und in den Fluss lockt. Die Nixe wird als ein Mischwesen beschrieben, halb Frau, halb Fisch, was ihre verführerische und zugleich gefährliche Natur unterstreicht. Der Mann, zunächst klug und misstrauisch, wird von der Nixe in ihren Bann gezogen und verliert seine Vernunft. Die Interpretation des Gedichts könnte darauf hindeuten, dass die Nixe ein Symbol für die verführerische Kraft der Natur oder der weiblichen Sexualität ist, die den Mann in ihren Bann zieht und ihn letztendlich in den Tod führt. Der Mann, der am Anfang noch klug und misstrauisch ist, wird von der Nixe in ihren Bann gezogen und verliert seine Vernunft. Die Tatsache, dass der Mann am Ende in der Niederung sitzt und von der Nixe gefangen ist, könnte darauf hindeuten, dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte und nun in der Unterwelt gefangen ist. Das Gedicht könnte auch als eine Warnung vor der Gefahr der Versuchung und der Verführung interpretiert werden. Die Nixe, die als ein Mischwesen beschrieben wird, könnte als Symbol für die Dualität der menschlichen Natur gesehen werden, die sowohl verführerisch als auch gefährlich sein kann. Der Mann, der am Ende in der Niederung sitzt und von der Nixe gefangen ist, könnte als eine Warnung davor dienen, dass man der Versuchung nicht widerstehen sollte, da sie letztendlich zu einem schlimmen Ende führen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der Tanz der grünlich krausen Wellen
- Bildsprache
- Der Tanz der grünlich krausen Wellen
- Enjambement
- Es war einmal ein Mann, der gung In eines Flusses Niederung.
- Hyperbel
- Und wenn ein anderer kommt gegangen, So wird er ebenso gefangen.
- Ironie
- Und guckte ohne auszusetzen Auf die verwunschnen Wellenfetzen.
- Metapher
- Das Mädchen hatte eben keine.
- Personifikation
- Am Ufer gluckste es so hohl
- Reimschema
- AABB
- Symbolik
- Die Nixe
- Wiederholung
- Und dachte: 'Oh', und dachte: 'Ach!'