Die Nixe

Elisabeth Kulmann

unbekannt

Komm, lieber schöner Knabe, Komm näher an′s Gestad! Und willst du, so bereite Ich dir ein lieblich Bad.

Du siehst, die See verbreitet Sich spiegelhell vor dir; Kein Wellchen soll sich regen, Die See gehorchet mir,

Genieß des Bades Freuden In blauer Fluthen Schooß, Und schau von fern mein schönes Krystallnes Sommerschloß.

Mit klaren Ambrafenstern, Mit Perlenmutter-Thor: Du kommst bei seinem Anblick Dir wie im Himmel vor.

Und vollends meine Gärten, Wo Baum sich reiht an Baum Mit Obst so vieler Arten, Du kennst die Namen kaum.

Und Wundervögel singen In Meng′ auf jedem Ast, Die Sinne, Kind, vergehen Beim Horchen einem fast.

Komm, gib die Hand mir, komme! Die Fluth ist seicht und lau; Sieh hier viel bunte Muscheln Wie ausgestellt zur Schau.

Komm, komm! ich geb′ in Menge Korallen, Perlen dir; Kehrst du nach Hause, Mutter Und Schwestern danken mir.

Und Früchte sollst du kosten, Wie du noch nie geschmeckt; Komm, gib den Arm mir, Knabe, Damit dich ja nichts schreckt, -

Der Knabe naht der Nixe, Kann ihr nicht widerstehn, Steigt in die Fluth; kein Auge Hat ihn seitdem gesehn.

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Illustration zu Die Nixe

Interpretation

Das Gedicht "Die Nixe" von Elisabeth Kulmann handelt von einer verführerischen Nixe, die einen jungen, schönen Knaben anlocken möchte. Sie lockt ihn mit dem Versprechen eines wunderschönen Bades in einem spiegelglatten See, der ihrem Willen gehorcht. Die Nixe beschreibt ihr kristallenes Sommerschloss und ihre Gärten, die mit Obst verschiedener Arten und singenden Vögeln gefüllt sind, um den Knaben noch mehr zu verzaubern. Die Nixe verspricht dem Knaben bunte Muscheln, Korallen und Perlen sowie Früchte, wie er sie noch nie geschmeckt hat. Sie bittet ihn, ihr die Hand zu geben und in die seichte, lauwarme Flut zu steigen. Der Knabe kann der Verführung der Nixe nicht widerstehen und nähert sich ihr. Er steigt in die Flut, aber seitdem hat ihn niemand mehr gesehen. Das Gedicht endet mit einem tragischen Ausgang, da der Knabe von der Nixe in den Tod gelockt wurde. Die verführerische Schönheit und die Versprechungen der Nixe waren zu stark für den jungen Knaben, der schließlich in den Fluten verschwand.

Schlüsselwörter

komm knabe see kein schau baum gib fluth

Wortwolke

Wortwolke zu Die Nixe

Stilmittel

Bildsprache
Mit klaren Ambrafenstern, Mit Perlenmutter-Thor
Hyperbel
Du kommst bei seinem Anblick Dir wie im Himmel vor
Metapher
Die See verbreitet sich spiegelhell vor dir
Parallelismus
Mit klaren Ambrafenstern, Mit Perlenmutter-Thor
Übertreibung
Wo Baum sich reiht an Baum