Die Nagelschmiedin
1807Was klopfet, was schmiedet das reizende Weib? Zum Ambos gebeuget den schlanken Leib Einen zierlichen Hammer sie schwinget; Dunkle und helle, Süße und grelle Lieder zum Takt sie singet.
Das Feuer, es sprühet in blutrothem Schein, Mitunter wohl spritzet sie Wasser hinein, Doch schnelle zum Blasebalg wieder Hebt sie das linke Füßchen und flinke Tritt sie ihn auf und nieder.
Wie strahlet, wie blitzet ihr Auge dazu! Es stähl’ einem Engel im Himmel die Ruh’! Auf der lächelnden Lippen Grunde Glänzen und gleißen Schneehell die weißen Zähnchen ihr aus dem Munde.
Es rollen die Locken ihr über’s Gesicht, Wie blinket und züngelt ihr goldenes Licht! Das sind ja die funkelnden Schlangen, Die mit den Ringen, Die mit den Schlingen Zauberisch mich gefangen.
Was beugt sich, was lächelt, was strahlet und blitzt, Was klopfet, was hämmert, was glühet und spitzt Die Geheimnißvolle, die Arge? Große und kleine, Grobe und feine Nägel zu meinem Sarge.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Nagelschmiedin" von Friedrich Theodor Vischer beschreibt eine Frau, die in einer Schmiede arbeitet und Nägel schmiedet. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass die Frau eine verführerische und geheimnisvolle Figur ist, die den Erzähler in ihren Bann zieht. Die erste Strophe führt die Frau und ihre Tätigkeit ein. Sie wird als "reizend" beschrieben und arbeitet am Amboss, wobei sie einen zierlichen Hammer schwingt. Während sie arbeitet, singt sie Lieder, die süß und grell zugleich sind. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Frau eine ambivalente Natur hat, die sowohl anziehend als auch gefährlich ist. Die zweite Strophe beschreibt die Arbeitsweise der Frau. Sie verwendet Feuer und Wasser, um die Nägel zu schmieden, und betätigt den Blasebalg mit ihrem Fuß. Ihr Auge strahlt dabei, und ihre Lippen lächeln. Die Beschreibung ihres Lächelns und ihrer Zähne lässt sie noch verführerischer erscheinen. Die dritte Strophe konzentriert sich auf das Aussehen der Frau. Ihre Locken fallen ihr über das Gesicht, und ihr goldenes Haar funkelt wie Schlangen. Dies könnte als Anspielung auf die Schlange im Garten Eden verstanden werden, die Adam und Eva verführte. Die Frau wird als "geheimnisvoll" und "arge" beschrieben, was darauf hindeutet, dass sie eine gefährliche Anziehungskraft auf den Erzähler ausübt. Die letzte Strophe enthüllt den Zweck der Arbeit der Frau. Sie schmiedet Nägel für den Sarg des Erzählers. Dies könnte als Symbol für den Tod oder das Ende einer Beziehung interpretiert werden. Die Frau, die den Erzähler verführt und in ihren Bann gezogen hat, ist letztendlich für sein Schicksal verantwortlich.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was klopfet, was schmiedet das reizende Weib?
- Bildsprache
- Dunkle und helle, Süße und grelle Lieder zum Takt sie singet
- Hyperbel
- Es stähl' einem Engel im Himmel die Ruh'!
- Ironie
- Große und kleine, Grob und feine Nägel zu meinem Sarge
- Metapher
- Zum Ambos gebeuget den schlanken Leib
- Personifikation
- Das Feuer, es sprühet in blutrothem Schein
- Symbolik
- Das sind ja die funkelnden Schlangen
- Vergleich
- Glänzen und gleißen Schneehell die weißen Zähnchen ihr aus dem Munde