Die Nächte explodieren in den Städten
1913Die Nächte explodieren in den Städten, Wir sind zerfetzt vom wilden, heißen Licht, Und unsre Nerven flattern, irre Fäden, Im Pflasterwind, der aus den Rädern bricht. In Kaffeehäusern brannten jähe Stimmen Auf unsre Stirn und heizten jung das Blut, Wir flammten schon. Und suchen leise zu verglimmen, Weil wir noch furchtsam sind vor eigner Glut. Wir schweben müßig durch die Tageszeiten, An hellen Ecken sprechen wir die Mädchen an. Wir fühlen noch zu viel die greisen Köstlichkeiten Der Liebe, die man leicht bezahlen kann. Wir haben uns dem Tage übergeben Und treiben arglos spielend vor dem Wind, Wir sind sehr sicher, dorthin zu entschweben, Wo man uns braucht, wenn wir geworden sind.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Nächte explodieren in den Städten" von Ernst Wilhelm Lotz thematisiert die Desillusionierung und Orientierungslosigkeit einer jungen Generation in der modernen Großstadt. Die Nächte werden als explodierend und von wildem, heißem Licht durchflutet beschrieben, was auf ein überreiztes, chaotisches Lebensgefühl hindeutet. Die Nerven flattern wie irre Fäden im Wind der vorbeifahrenden Autos, ein Bild für die Rast- und Haltlosigkeit der Jugendlichen. In den Kaffeehäusern, den Treffpunkten der Bohème, prallen die Stimmen aufeinander und heizen das Blut an. Doch anstatt die eigene Leidenschaft auszuleben, suchen die Protagonisten nur ein sanftes Verglimmen, da sie noch immer furchtsam vor der eigenen inneren Glut sind. Sie schweben müßig durch die Tageszeiten, sprechen Mädchen an den hellen Ecken an, doch die Liebe ist ihnen nur noch ein käufliches Vergnügen, eine "greise Köstlichkeit". Die Jugendlichen haben sich dem Tag übergeben, treiben arglos spielend vor dem Wind. Sie sind sich sicher, dass sie eines Tages dorthin entschweben werden, wo man sie braucht, wenn sie erwachsen geworden sind. Doch der Ausblick bleibt unklar und ungewiss. Das Gedicht zeichnet ein düsteres Bild einer verlorenen Generation, die in der modernen Großstadt zwischen Reizüberflutung und innerer Leere gefangen ist und sich treiben lässt, ohne ein Ziel vor Augen zu haben.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- wenn wir geworden sind