Die Nacht
1813Niedersinkt des Tages goldner Wagen, Und die Stille Nacht schwebt leis′ herauf, Stillt mit sanfter Hand des Herzens Klagen, Bringt uns Ruh′ im schweren Lebenslauf.
Ruhe gießt sie in das Herz des Müden, Der ermattet auf der Pilgerbahn, Bringt ihm wieder seinen stillen Frieden, Den des Schicksals rauhe Hand ihm nahm.
Ruhig schlummernd liegen alle Wesen, Feiernd schließet sich das Heiligtum, Tiefe Stille herrscht im weiten Reiche, Alles schweigt im öden Kreis herum.
Und der Mond schwebt hoch am klaren Äther Geußt sein sanftes Silberlicht herab; Und die Sternlein funkeln in der Ferne Schau′nd herab auf Leben und auf Grab.
Willkommen Mond, willkommen sanfter Bote Der Ruhe in dem rauhen Erdental, Verkündiger von Gottes Lieb und Gnade, Des Schirmers in Gefahr und Mühesal.
Willkommen Sterne, seid gegrüßt ihr Zeugen Der Allmacht Gottes der die Welten lenkt, Der unter allen Myriaden Wesen Auch meiner voll von Lieb und Gnade denkt.
Ja heil′ger Gott du bist der Herr der Welten, Du hast den Sonnenball emporgetürmt, Hast den Planeten ihre Bahn bezeichnet, Du bist es, der das All mit Allmacht schirmt.
Unendlicher, den keine Räume fassen, Erhabener, den Keines Geist begreift, Allgütiger, den alle Welten preisen, Erbarmender, der Sündern Gnade beut!
Erlöse gnädig uns von allem Übel, Vergib uns liebend jede Missetat, Laß wandeln uns auf deines Sohnes Wege, Und siegen über Tod und über Grab.
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Die Nacht" von Karl Georg Büchner ist eine tiefgründige Reflexion über die Nacht als Symbol für Ruhe, Frieden und göttliche Gegenwart. Das Gedicht beginnt mit der Beschreibung des untergehenden Tages und dem Aufkommen der stillen Nacht, die das Herz von seinen Sorgen erlöst und Ruhe in den müden Pilger bringt. Die Nacht wird als eine heilige Zeit dargestellt, in der alle Wesen ruhen und eine tiefe Stille herrscht. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Nacht als eine Zeit der spirituellen Erhebung und der Verbindung mit dem Göttlichen beschrieben. Der Mond und die Sterne werden als Boten der Ruhe und Zeugen der Allmacht Gottes gefeiert. Der Dichter preist Gott als den Herrn der Welten, der die Sonne und die Planeten erschaffen hat und der mit seiner Allmacht das Universum beschützt. Gott wird als unendlich, erhaben, allgütig und barmherzig dargestellt, der auch den Sündern Gnade gewährt. Das Gedicht endet mit einem Gebet um Erlösung von allem Übel, Vergebung der Sünden und die Fähigkeit, auf den Wegen des Sohnes Gottes zu wandeln und über Tod und Grab zu triumphieren. Die Nacht wird somit als eine Zeit der spirituellen Erneuerung und der Verbindung mit dem Göttlichen dargestellt, die Hoffnung und Trost inmitten der Mühen des Lebens bietet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ruhig schlummernd liegen alle Wesen
- Anapher
- Willkommen Mond, willkommen sanfter Bote / Willkommen Sterne, seid gegrüßt ihr Zeugen
- Apostrophe
- Willkommen Mond, willkommen sanfter Bote
- Bildsprache
- Und der Mond schwebt hoch am klaren Äther Geußt sein sanftes Silberlicht herab
- Hyperbel
- Der unter allen Myriaden Wesen Auch meiner voll von Lieb und Gnade denkt
- Metapher
- Niedersinkt des Tages goldner Wagen
- Parallelismus
- Erlöse gnädig uns von allem Übel, Vergib uns liebend jede Missetat
- Personifikation
- Und die Stille Nacht schwebt leis' herauf, Stillt mit sanfter Hand des Herzens Klagen