Die Nacht fällt

Walter Hasenclever

1940

Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewusste; Erlebnis bröckelt von dir ab wie Kruste. Schon schirrt der Tag mit Fass, Laterne, Karren Einäugige Pferde, die auf Futter harren. Geliebte Fraun! Wo mögt ihr heute träumen! In was für Betten dunkel euch verschäumen. Lösch aus, du letzte Kerze, die noch brennt! Mit froher Güte will ich mich umsäumen. Wer treu ist, kehrt zurück aus Zwischenräumen Zu einem gleichen Schicksal, das er kennt. Ihn wird der eitle Schmerz nicht mehr betören Dessen, der nichts verliert und nichts behält. Wer treu ist. wird dem Menschlichsten gehören - Und so erfüllt er sich in ewiger Welt.

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Illustration zu Die Nacht fällt

Interpretation

Das Gedicht "Die Nacht fällt" von Walter Hasenclever beschreibt den Übergang vom Tag zur Nacht als metaphorischen Fall in das Unbewusste. Die Nacht fällt "scherbenlos" ins Unbewusste, was darauf hindeutet, dass sie sanft und unversehrt in die Tiefen des menschlichen Geistes eindringt. Das Erlebnis des Tages bröckelt von der Person ab wie eine Kruste, was die Vergänglichkeit und das Abschütteln der täglichen Erfahrungen symbolisiert. Im zweiten Teil des Gedichts wird das nächtliche Treiben beschrieben, wobei der Tag mit Fass, Laterne und Karren um die einäugigen Pferde sorgt, die auf Futter warten. Dies könnte die Routine und das mechanische Fortschreiten des Lebens darstellen. Die Geliebten träumen an unbekannten Orten in dunklen Betten, was die Intimität und das Geheimnis der Nacht unterstreicht. Der Aufruf, die letzte brennende Kerze zu löschen, symbolisiert den Wunsch, sich in die Dunkelheit zu begeben und sich von der äußeren Welt zu lösen. Im letzten Teil des Gedichts geht es um Treue und die Rückkehr zu einem vertrauten Schicksal. Wer treu ist, wird nicht mehr vom eitlen Schmerz betört, der mit dem Verlieren und Behalten von Dingen einhergeht. Treue führt dazu, dem Menschlichsten anzugehören und sich in der ewigen Welt zu erfüllen. Dies könnte als eine Art spirituelle oder emotionale Vollendung interpretiert werden, die durch Treue und Beständigkeit erreicht wird.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anrede
Geliebte Fraun! Wo mögt ihr heute träumen!
Bildlichkeit
Schon schirrt der Tag mit Fass, Laterne, Karren
Chiasmus
Und so erfüllt er sich in ewiger Welt
Imperativ
Lösch aus, du letzte Kerze, die noch brennt!
Kontrast
Dessen, der nichts verliert und nichts behält
Metapher
Mit froher Güte will ich mich umsäumen
Parallelismus
Wer treu ist, kehrt zurück aus Zwischenräumen / Zu einem gleichen Schicksal, das er kennt
Personifikation
Die Nacht fällt scherbenlos ins Unbewusste