Die Mutter bei der Wiege
1815Schlaf, süßer Knabe, süß und mild! Du deines Vaters Ebenbild! Das bist du; zwar dein Vater spricht, Du habest seine Nase nicht.
Nur eben itzo war er hier Und sah dir ins Gesicht, Und sprach: “Viel hat er zwar von mir, Doch meine Nase nicht.”
Mich dünkt es selbst, sie ist zu klein, Doch muß es seine Nase sein; Denn wenn′s nicht seine Nase wär, Wo hättst du denn die Nase her?
Schlaf, Knabe, was dein Vater spricht, Spricht er wohl nur im Scherz; Hab immer seine Nase nicht, Und habe nur sein Herz!
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Interpretation
Das Gedicht "Die Mutter bei der Wiege" von Matthias Claudius beschreibt eine zärtliche und humorvolle Szene zwischen einer Mutter und ihrem Kind. Die Mutter wiegt ihr Baby in den Schlaf und reflektiert über die Ähnlichkeit des Kindes mit dem Vater. Sie bemerkt, dass der Vater scherzhaft behauptet, das Kind habe nicht seine Nase, was zu einer amüsanten Diskussion führt. Die Mutter verteidigt sanft die Ähnlichkeit des Kindes mit dem Vater, indem sie argumentiert, dass die Nase des Kindes, obwohl sie kleiner ist, dennoch die des Vaters sein muss. Sie stellt die rhetorische Frage, woher das Kind sonst seine Nase haben könnte, was die logische Zugehörigkeit betont. Dies zeigt die liebevolle und spielerische Natur der Familie. Abschließend beruhigt die Mutter das Kind und versichert ihm, dass die Bemerkungen des Vaters nur im Scherz gemeint waren. Sie wünscht sich, dass das Kind immer das Herz des Vaters erben möge, was die emotionale Verbindung und die tiefere Bedeutung der familiären Bande unterstreicht. Das Gedicht endet mit einem beruhigenden Schlaflied, das die Liebe und Fürsorge der Mutter widerspiegelt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schlaf, süßer Knabe, süß und mild!
- Kontrast
- Hab immer seine Nase nicht, Und habe nur sein Herz!
- Rhetorische Frage
- Denn wenn's nicht seine Nase wär, Wo hättst du denn die Nase her?
- Wiederholung
- Nur eben itzo war er hier