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Die Muthmassung

Von

Wo bin ich? wie! wo schlief ich dann,
Die dunkle Nacht hindurch?
Hier lieg ich unter diesem Baum,
Hier ich, mein Becher – – dort im Gras,
Dort liegt mein Kranz, die Flöte da,
Bald glaub ich, daß ich gestern hier,
Im starken Rausche sank.

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Gedicht: Die Muthmassung von Salomon Gessner

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Muthmassung“ von Salomon Gessner entwirft eine Szene, in der der Protagonist nach dem Erwachen versucht, sich über seinen Zustand und die Geschehnisse der vergangenen Nacht zu vergewissern. Der kurze, fragmentarische Charakter des Gedichts spiegelt das Gefühl der Verwirrung und des unklaren Erinnerns wider, das mit dem Aufwachen nach einem Rauschzustand einhergeht. Die Frage „Wo bin ich? wie! wo schlief ich dann, / Die dunkle Nacht hindurch?“ markiert den unmittelbaren Beginn der Auseinandersetzung mit der eigenen Orientierungslosigkeit.

Die Aufzählung von Gegenständen wie dem „Becher“, dem „Kranz“ und der „Flöte“ im Gras dient als visuelle Stütze für die Erinnerung des Sprechers. Sie deutet auf ein fröhliches, womöglich festliches Zusammensein hin, das im Rausch geendet hat. Die Anordnung dieser Dinge im Raum hilft dem lyrischen Ich, die eigene Position und die vergangene Nacht zu rekonstruieren. Die Gegenstände werden zu Indizien, die zur Deutung des Zustands beitragen und die Szene des Rausches lebendig werden lassen.

Der Titel „Die Muthmassung“ (Vermutung) verdeutlicht den unsicheren Charakter der Erinnerung des Sprechers. Er schließt daraus, dass er „Im starken Rausche sank“, was die Vermutung bekräftigt, dass der Abend mit übermäßigem Alkoholkonsum verbunden war. Die Sprache ist einfach und direkt, was die Authentizität des Gefühls der Verwirrung und des Versuchs, sich zu erinnern, verstärkt.

Das Gedicht fängt die Flüchtigkeit des Moments und die Schwierigkeit ein, sich an Details zu erinnern, die im Rauschzustand verschwommen sind. Es ist ein kleiner, aber wirkungsvoller Ausschnitt aus dem Leben, der uns in die Gefühlswelt eines Menschen eintauchen lässt, der sich nach einer ausgelassenen Nacht orientieren muss und versucht, die Ereignisse anhand der wenigen verbliebenen Hinweise zu rekonstruieren. Die Kürze des Gedichts trägt zur Verdichtung der Eindrücke bei und lässt dem Leser Raum für eigene Interpretationen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.