Die Mondesbrücke

Luise Büchner

1837

Schweigend ruht des Rheines Spiegel, Golden schwebt der Mond darüber, Senket aus den blauen Höhen Eine Strahlenbrücke nieder.

Und sie taucht die lichten Pfeiler In die tiefe, dunkle Welle, Daß vor Wonne leise bebet Glanzumwoben ihre Schwelle.

Dampfumhüllet, schwarz und nächtig, Kommt das Schiff einhergeflogen, Schneidet brausend mitten innen Durch der Brücke goldnen Bogen.

Die so stille und so prächtig Festgezimmert hat gestanden, Ist zertrümmert, ist zerborsten In unzählige Demanten.

Zuckend fliegen sie wie Blitze Ueber die bewegten Fluthen, Wo der heit′re Bau sich wölbte, Wogt ein wildes Meer von Gluthen.

Ach! so zieht durch eine Seele Oft das Schicksal schwarz und mächtig, Das in′s Leben schlug die Brücke Auch so golden, froh und prächtig!

Aber sieh - das Schiff enteilet, Ruhe deckt die Wasser wieder, Und auf′s Neue hell und golden Senket sich die Brücke nieder.

Wie versöhnet, ihre Strahlen Wieder in einander rinnen, Ahnet Niemand, daß sie eben War zerschnitten mitten innen.

Armes Herz! dem so gewaltsam Ward der goldne Bau zersplittert, Daß es mild erbebend schläget, Von dem tiefsten Weh durchzittert;

Reicher, goldner als die Brücke Strahlest du nach deinen Wunden, Hast versöhnt und ganz dich wieder In dir selbst zurecht gefunden!

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Illustration zu Die Mondesbrücke

Interpretation

Das Gedicht "Die Mondesbrücke" von Luise Büchner beschreibt die flüchtige Schönheit einer mondbeleuchteten Brücke über dem Rhein, die durch ein Schiff zerstört wird. Die Brücke, golden und prächtig, symbolisiert eine harmonische und idyllische Verbindung. Doch ihr plötzliches Zerbrechen in unzählige Diamanten und das anschließende wilde Meer aus Gluthen verdeutlichen die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit solcher Momente. Die Zerstörung der Brücke dient als Metapher für das Schicksal, das oft schwarz und mächtig durch eine Seele zieht und das Leben erschüttert. Das Schiff, das die Brücke durchschneidet, steht für unvorhersehbare Ereignisse oder Schicksalsschläge, die selbst die schönsten und frohesten Momente zerstören können. Die Brücke, die "so golden, froh und prächtig" in das Leben schlug, wird brutal zersplittert und hinterlässt tiefe Wunden. Doch das Gedicht endet mit einer Botschaft der Hoffnung und Versöhnung. Nachdem das Schiff enteilt und Ruhe über die Wasser gekommen ist, senkt sich die Brücke erneut in goldenem Glanz herab. Dies symbolisiert die Fähigkeit des Herzens, sich nach tiefem Schmerz zu erholen und wieder zu sich selbst zu finden. Das Herz, das nach seinen Wunden reicher und goldener strahlt als die Brücke selbst, hat sich versöhnt und in sich selbst zurechtgefunden, was die Kraft der Resilienz und inneren Heilung unterstreicht.

Schlüsselwörter

brücke golden senket nieder schwarz schiff mitten innen

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Und auf's Neue hell und golden Senket sich die Brücke nieder
Hyperbel
In unzählige Demanten
Metapher
Reicher, goldner als die Brücke Strahlest du nach deinen Wunden
Personifikation
Und sie taucht die lichten Pfeiler In die tiefe, dunkle Welle
Symbolik
Das in's Leben schlug die Brücke Auch so golden, froh und prächtig
Vergleich
Zuckend fliegen sie wie Blitze