Die Messe
1912Bei dreier Kerzen mildem Lichte Die Leiche schläft. Und hohe Mönche gehen Um sie herum, und legen ihre Finger Manchmal über ihr Angesicht.
Froh sind die Toten, die zur Ruhe kehren Und strecken ihre weißen Hände aus, Den Engeln zu, die groß und schattig gehen Mit Flügelschlagen durch das hohe Haus.
Nur manchmal schallt ein Weinen durch die Wände, Ein tiefes Schluchzen wälzt sich in der Lust. Man kreuzet ihre hageren Finger-Hände Zum Frieden sanft auf die verhaarte Brust.
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Interpretation
Das Gedicht "Die Messe" von Georg Heym beschreibt eine feierliche Totenmesse in einer Kirche. Die Leiche liegt im Schein von drei Kerzen, umgeben von Mönchen, die ihr die Augen schließen. Die Atmosphäre ist von einer seltsamen Mischung aus Trauer und Freude geprägt. Die Toten werden als froh dargestellt, da sie zur Ruhe kommen und ihre Hände den Engeln entgegenstrecken, die durch das hohe Haus fliegen. Diese Darstellung verleiht der Szene eine fast himmlische, transzendente Qualität. Die Engel mit ihren Flügeln und das "hohe Haus" (vermutlich die Kirche) schaffen eine Brücke zwischen der irdischen und der göttlichen Sphäre. Doch immer wieder dringt Weinen durch die Wände, ein tiefes Schluchzen, das sich in der Lust wälzt. Dieser Kontrast zwischen Trauer und Freude, zwischen irdischem Leid und himmlischer Seligkeit, macht die besondere Stimmung des Gedichts aus. Die Mönche kreuzen die Hände der Toten auf ihrer Brust, um ihnen den Frieden zu geben. Damit endet die Szene in einer Geste der Versöhnung und des Übergangs.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung des 'w' in 'Weinen' und 'Wände' erzeugt einen Klang, der das Weinen nachahmt.
- Bildsprache
- Die Beschreibung der Engel als 'groß und schattig' mit 'Flügelschlagen' erzeugt ein lebendiges Bild.
- Enjambement
- Die Zeilen 'Nur manchmal schallt ein Weinen durch die Wände, / Ein tiefes Schluchzen wälzt sich in der Lust.' brechen die Satzstruktur auf.
- Hyperbel
- Die 'hohe Mönche' und 'groß und schattig' Engel übertreiben die Größe und Erhabenheit.
- Kontrast
- Der Kontrast zwischen dem 'mildem Lichte' der Kerzen und der 'Leiche' schafft eine düstere Atmosphäre.
- Metapher
- Die Mönche werden als 'hohe Mönche' beschrieben, was ihre spirituelle Erhabenheit andeutet.
- Personifikation
- Die Toten werden als froh beschrieben und strecken ihre Hände aus.
- Symbolik
- Die 'drei Kerzen' könnten die Dreifaltigkeit symbolisieren.
- Synästhesie
- Die Kombination von 'mildem Lichte' und 'weißen Hände' verbindet Sehen und Fühlen.