Die Lustigen von Weimar

Johann Wolfgang von Goethe

1813

Donnerstag nach Belvedere, Freitag geht′s nach Jena fort: Denn das ist, bei meiner Ehre, Doch ein allerliebster Ort! Samstag ist′s, worauf wir zielen, Sonntag rutscht man auf das Land; Zwäzen, Burgau, Schneidemühlen Sind uns alle wohlbekannt.

Montag reizet uns die Bühne; Dienstag schleicht dann auch herbei, Doch er bringt zu stiller Sühne Ein Rapuschchen frank und frei. Mittwoch fehlt es nicht an Rührung: Denn es gibt ein gutes Stück; Donnerstag lenkt die Verführung Uns nach Belveder′ zurück.

Und es schlingt ununterbrochen Immer sich der Freudenkreis Durch die zweiundfunfzig Wochen, Wenn man′s recht zu führen weiß. Spiel und Tanz, Gespräch, Theater, Sie erfrischen unser Blut; Laßt den Wienern ihren Prater; Weimar, Jena, da ist′s gut!

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Illustration zu Die Lustigen von Weimar

Interpretation

Das Gedicht "Die Lustigen von Weimar" von Johann Wolfgang von Goethe beschreibt das gesellige und kulturelle Leben in Weimar und Jena, das sich durch einen regelmäßigen und fröhlichen Rhythmus auszeichnet. Die Verse schildern eine Woche voller Aktivitäten, die von Ausflügen in die Umgebung bis hin zu Theaterbesuchen und geselligen Zusammenkünften reichen. Goethe betont dabei die Vertrautheit und den Genuss, den die Menschen in diesen Orten finden, und hebt die Vielfalt der Freizeitgestaltung hervor. Die Struktur des Gedichts folgt einem wöchentlichen Zyklus, der mit Donnerstag beginnt und sich durch die Tage bis zum nächsten Donnerstag zieht. Jeder Tag ist mit einer spezifischen Aktivität verbunden, sei es ein Ausflug, ein Theaterbesuch oder ein geselliges Beisammensein. Goethe verwendet dabei einen leichten und beschwingten Ton, der die Freude und Zufriedenheit der Menschen in Weimar und Jena widerspiegelt. Die Wiederholung des Zyklus über "zweiundfünfzig Wochen" unterstreicht die Beständigkeit und den kontinuierlichen Genuss dieses Lebensstils. Abschließend kontrastiert Goethe das Leben in Weimar und Jena mit dem Prater in Wien und stellt die These auf, dass das Leben in diesen Städten überlegen sei. Die abschließenden Zeilen "Laßt den Wienern ihren Prater; Weimar, Jena, da ist's gut!" drücken eine klare Präferenz für die lokale Kultur und das Gemeinschaftsleben aus. Das Gedicht vermittelt somit ein Bild von Weimar und Jena als Orte, an denen ein erfülltes und abwechslungsreiches Leben möglich ist, geprägt von Kunst, Kultur und Geselligkeit.

Schlüsselwörter

donnerstag jena belvedere freitag geht fort ehre allerliebster

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Stilmittel

Alliteration
frank und frei
Anapher
Donnerstag nach Belvedere, Freitag geht′s nach Jena fort: Denn das ist, bei meiner Ehre, Doch ein allerliebster Ort! Samstag ist′s, worauf wir zielen, Sonntag rutscht man auf das Land; Zwäzen, Burgau, Schneidemühlen Sind uns alle wohlbekannt.
Aufzählung
Spiel und Tanz, Gespräch, Theater
Bildsprache
Immer sich der Freudenkreis
Kontrast
Laßt den Wienern ihren Prater; Weimar, Jena, da ist′s gut!
Metapher
Es gibt ein gutes Stück
Parallelismus
Donnerstag nach Belvedere, Freitag geht′s nach Jena fort
Personifikation
Dienstag schleicht dann auch herbei
Vergleich
Laßt den Wienern ihren Prater