Die lügenhafte Phyllis
1753Mein Dämon spricht: Kind, lüge nicht! Sonst werd′ ich strafen müssen, Und dich zur Strafe küssen. Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, Und strafet mich schon im voraus.
Sonst log ich nicht. Nun seit er spricht: Du sollst mir fein mit Küssen Die losen Lügen büßen, Red′ ich kein wahres Wörtchen mehr. Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?
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Interpretation
Das Gedicht "Die lügenhafte Phyllis" von Gotthold Ephraim Lessing beschäftigt sich mit dem Thema der Lüge und deren Konsequenzen. Der Sprecher, vermutlich eine Frau namens Phyllis, wird von ihrem "Dämon" ermahnt, nicht zu lügen. Dieser Dämon droht ihr mit einer Strafe, die paradoxerweise ein Kuss ist. Die Drohung des Dämons verursacht bei Phyllis ein mulmiges Gefühl, da sie bereits im Voraus bestraft wird. Die zweite Strophe zeigt eine Wendung in der Erzählung. Phyllis gibt an, dass sie vor den Drohungen des Dämons nicht gelogen hat. Doch nun, da der Dämon ihr mit Küssen für ihre Lügen "büßen" will, beschließt sie, nicht mehr die Wahrheit zu sagen. Dies ist eine ironische Wendung, da der Dämon, der eigentlich die Ehrlichkeit fördern sollte, durch sein Verhalten das genaue Gegenteil bewirkt. Die letzte Zeile des Gedichts ist eine Frage an die "Schwestern", die Phyllis um eine Erklärung für dieses Phänomen bittet. Es ist unklar, wer diese Schwestern sind und ob sie eine reale oder symbolische Bedeutung haben. Möglicherweise sind es andere Frauen, die ähnliche Erfahrungen mit ihren eigenen "Dämonen" gemacht haben. Die Frage bleibt offen und regt den Leser dazu an, über die Komplexität von Lügen und Bestrafung nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Sonst werd′ ich strafen müssen, Und dich zur Strafe küssen
- Metapher
- Kind, lüge nicht
- Personifikation
- Mein Dämon spricht
- Rhetorische Frage
- Nun, Schwestern, sagt, wo kömmt das her?
- Vorahnung
- Er droht mir, sieht verdrüßlich aus, Und strafet mich schon im voraus
- Widerspruch
- Sonst log ich nicht. Nun seit er spricht