Die Lorelei

Heinrich Heine

1824

Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, Das ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet Dort oben wunderbar, Ihr goldnes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme, Und singt ein Lied dabei; Das hat eine wundersame, Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe Ergreift es mit wildem Weh; Er schaut nicht die Felsenriffe Er schaut nur hinauf in die Höh′.

Ich glaube, die Wellen verschlingen Am Ende Schiffer und Kahn Und das hat mit ihrem Singen Die Lorelei getan.

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Illustration zu Die Lorelei

Interpretation

Das Gedicht "Die Lorelei" von Heinrich Heine handelt von der tragischen Sage einer schönen Jungfrau, die auf einem Felsen am Rhein sitzt und mit ihrem Gesang Schiffer in den Tod lockt. Der Sprecher des Gedichts ist von einer unerklärlichen Traurigkeit ergriffen und denkt an ein altes Märchen, das ihn nicht loslässt. Die Stimmung ist düster und geheimnisvoll, während der Rhein ruhig dahinfließt und der Berg im Abendlicht glänzt. Die Lorelei wird als die schönste Jungfrau beschrieben, die mit ihrem goldenen Geschmeide und Haar die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Sie kämmt ihr Haar mit einem goldenen Kamm und singt dabei ein Lied mit einer wundersamen und gewaltigen Melodie. Dieser Gesang hat eine starke Wirkung auf die Schiffer, die von wildem Weh ergriffen werden und nicht mehr auf die gefährlichen Felsenriffe achten, sondern nur noch hinauf zu der Jungfrau schauen. Am Ende glaubt der Sprecher, dass die Wellen den Schiffer und sein Boot verschlingen werden, und dass dies der Lorelei zu verdanken ist, die mit ihrem Gesang die Schiffer in den Tod gelockt hat.

Schlüsselwörter

kämmt schiffer schaut weiß soll bedeuten traurig märchen

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Stilmittel

Alliteration
wundersame, gewaltige Melodei
Bildsprache
Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein
Kontrast
Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein
Metapher
Die Lorelei als Verführerin, die Schiffer in den Tod lockt
Personifikation
Die Wellen verschlingen den Schiffer und Kahn
Wiederholung
Ihr goldnes Geschmeide blitzet, Sie kämmt ihr goldenes Haar