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Die Linden von Zellerburg

Von

Alte Linden hier im grünen Grunde,
Mächtige! in euern Schattenbann
Trete recht mit Ehrfurcht ich heran,
Wie ein Knecht in eine Fürstenrunde.

Stärker als wir flüchtig stolzen Wichte
Gebt ihr schon dreihundert Jahre lang
Eure feste Form dem Lebensdrang,
Der aus dunklen Tiefen will zum Lichte.

Goldne Blüten, Früchte muß er tragen
Von der Art, die euern Stamm erfreut:
Dauernd so zu frischer Pracht erneut
Steht ihr heute wie in alten Tagen.

Und durch euer jüngstes Ehrenkleid
Rauscht die Weisheit, die ihr still erworben,
Rauscht Gedächtnis dessen, was erstorben
Rings um euch im Wechselsturm der Zeit.

Auch wenn mich der Herbst von hinnen nahm,
Werdet ihr noch ungebrochen dauern,
Wird durch euer Laub das Schicksal schauern
Eines Wandrers, der einst zu euch kam:

Der wie ihr die reiche Lebensflut
In sein eignes Fühlen fassen wollte,
Der geformt, soviel er formen sollte,
Und nun tief von Lust und Mühen ruht.

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Die Linden von Zellerburg von Hanns von Gumppenberg

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Die Linden von Zellerburg“ von Hanns von Gumppenberg ist eine Hommage an die Beständigkeit und Weisheit der Natur, personifiziert durch die alten Lindenbäume. Der Dichter betrachtet die Bäume mit Ehrfurcht und vergleicht sich selbst mit einem Knecht, der in die Anwesenheit eines Fürsten tritt. Diese einleitende Metapher etabliert das zentrale Thema des Gedichts: die Bewunderung des Sprechers für die Unvergänglichkeit der Natur im Angesicht der menschlichen Vergänglichkeit.

Das Gedicht entfaltet sich in Strophen, die die verschiedenen Aspekte der Linden hervorheben. Zunächst wird ihre Macht und Langlebigkeit betont, die die flüchtige Natur des menschlichen Daseins übersteigt. Die Linden werden als Zeugen von drei Jahrhunderten Lebensdrang dargestellt, als lebende Verkörperung des Wunsches, aus der Dunkelheit ans Licht zu streben. Im weiteren Verlauf des Gedichts wird die Schönheit der Bäume in den goldenen Blüten und Früchten beschrieben, die die Kontinuität der Natur unterstreichen. Die Linden stehen für ewige Erneuerung und trotzen dem Wechsel der Jahreszeiten.

Ein zentraler Aspekt des Gedichts ist die Verbindung der Linden mit Weisheit und Erinnerung. Das Rauschen des Laubes wird als Träger des Wissens interpretiert, das die Bäume über die Jahrhunderte erworben haben, sowie als Echo des Vergangenen, des „Erstorbenen“ in der flüchtigen Zeit. Gumppenberg impliziert hier, dass die Linden nicht nur physisch überdauern, sondern auch eine Quelle der Erkenntnis und des Verständnisses sind, die über die flüchtige Gegenwart hinausreicht. Sie symbolisieren das Gedächtnis dessen, was durch die Zeit verlorengeht.

Die abschließenden Strophen richten den Blick des Dichters auf sein eigenes Schicksal. Er reflektiert über sein eigenes Leben und seinen Tod und erkennt die Unsterblichkeit der Linden an, die ihn überleben werden. In diesem Abschnitt wird eine tiefgründige Verbindung zwischen dem Dichter und den Linden hergestellt, da beide die „reiche Lebensflut“ in sich aufnehmen und versuchen, sie zu formen und zu verstehen. Das Gedicht endet mit einem Gefühl von Frieden und Akzeptanz, da der Dichter seinen Weg abgeschlossen hat und nun „von Lust und Mühen ruht“, während die Linden weiterhin ihren Dienst leisten und die Ewigkeit verkörpern. Das Gedicht ist somit ein schönes Beispiel für die Wertschätzung der Natur und die Reflexion über die menschliche Existenz.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.