Die Linde
1797»Ich breite über ihn mein Blätterdach, So weit ich es vom Ufer strecken mag. Schau her, wie langaus meine Arme reichen, Ihm mit den Fächern das Gewürm zu scheuchen, Das hundertfarbig zittert in der Luft. Ich hauch′ ihm meines Odems besten Duft, Und auf sein Lager lass′ ich niederfallen Die lieblichste von meinen Blüten allen; Und eine Bank lehnt sich an meinen Stamm, Da schaut ein Dichter von dem Uferdamm, Den hör′ ich flüstern wunderliche Weise Von mir und dir und der Libell′ so leise, Daß er den frommen Schläfer nicht geweckt; Sonst wahrlich hätt′ die Raupe ihn erschreckt, Die ich geschleudert aus dem Blätterhag. Wie grell die Sonne blitzt! schwül wird der Tag. O könnt′ ich, könnt′ ich meine Wurzeln strecken Recht mitten in das tief kristall′ne Becken, Den Fäden gleich, die, grünlicher Asbest, Schaun so behaglich aus dem Wassernest, Wie mir zum Hohne, die im Sonnenbrande Hier einsam niederlechzt vom Uferrande.«
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Interpretation
Das Gedicht "Die Linde" von Annette von Droste-Hülshoff ist ein Monolog einer Linde, die sich um einen schlafenden Dichter sorgt. Die Linde beschreibt ihre Bemühungen, den Dichter vor Insekten zu schützen und ihm einen angenehmen Aufenthaltsort zu bieten. Sie erzählt von ihrer Zuneigung zum Dichter und ihrem Wunsch, ihn vor der sengenden Sonne zu bewahren. Die Linde erzählt, wie sie ihre Äste ausbreitet, um ein Blätterdach über dem Dichter zu bilden und ihm so Schatten zu spenden. Sie vertreibt Insekten mit ihren Blättern und haucht ihm ihren besten Duft ein. Die Linde lässt sogar ihre schönste Blüte auf das Lager des Dichters fallen und stellt eine Bank an ihren Stamm, damit er bequem sitzen kann. Die Linde lauscht dem Dichter, der leise von ihr und der Libelle spricht, ohne den schlafenden Dichter zu wecken. Die Linde erzählt auch von ihrer Einsamkeit am Ufer und ihrem Wunsch, ihre Wurzeln in das kristallklare Becken zu strecken, um der Hitze zu entkommen. Sie beneidet die Wasserpflanzen, die in der Kühle des Wassers gedeihen, während sie selbst am Ufer leidet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Wie grell die Sonne blitzt! schwül wird der Tag
- Hyperbel
- Und auf sein Lager lass′ ich niederfallen Die lieblichste von meinen Blüten allen
- Metapher
- Hier einsam niederlechzt vom Uferrande
- Personifikation
- Hier einsam niederlechzt vom Uferrande
- Vergleich
- Den Fäden gleich, die, grünlicher Asbest